081 Retraumatisierung vermeiden beim Coaching – aber wie?

Retraumatisierung vermeiden beim Coaching – aber wie?

In der heutigen Folge beantworte ich Fragen zum Thema Retraumatisierung. Das sind Fragen, die mir von Podcasthörern bzw. Bloglesern gestellt wurden.

  • Was ist Retraumatisierung?
  • Woran erkennst du Retraumatisierung?
  • Was kannst du unternehmen, um Retraumatisierung zu vermeiden?

Du bekommst Antwort auf die nächste Frage zum Online EMDR Coaching:

„Wie kann ich online erkennen, ob ein Klient stabilisert werden soll, wenn er droht in eine Re-Traumatisierung zu rutschen bzw. wie kann ich das erkennen?“

Puh, eine super wichtige Frage!!! Als Coach kannst du sie dir nicht früh genug stellen. Insofern herzlichen Dank für die Frage. Die Antworten dazu liegen mir sehr am Herzen und ich lade dich ein, dir diese Folge vielleicht sogar mehrmals anzuhören. Denn manchmal macht es erst später klick. Und dieses klick ist wichtig. Sehr wichtig.

Hier geht’s zum Podcast-Audio Retraumatisierung vermeiden beim Coaching – aber wie?

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Shownotes zu Folge 080

Zum erwähnten Online-Beitrag von Sepp Graessner gelangst du hier.

Das erwähnte Fachbuch: Andreas Maercker, Posttraumatische Belastungsstörungen, Springer Verlag, Berlin

Hilfreiche Metaphern für EMDR.

Teil 1 zu den 8 Phasen des EMDR

Teil 2 zu den 8 Phasen des EMDR

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Mehr zur Online EMDR Ausbildung: https://heartify.life/emdr/ausbildung/

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Skript: Retraumatisierung vermeiden beim Coaching – aber wie?

Beginnen wir mit dem Thema Retraumatisierung. Was sagen Spezialisten dazu?

Was ist Retraumatisierung?

„Retraumatisierung ist keine Diagnose, vielmehr eher eine Handlungsform gegenüber einer traumatisierten Person.“ schreibt Sepp Graessner in seinem Beitrag über den Begriff. Quelle s.o. in den Shownotes.

Lass dir das bitte auf der Zunge zergehen:

„Eine Handlungsform gegenüber einer traumatisierten Person…“

In der Regel entscheidet sich weder ein Coach, Therapeut noch ein Arbeitskollege, Partner oder FreundIn natürlich nicht, jemanden zu retraumatisieren und überlegt, was er oder sie dazu beitragen kann.

Sie sind einfach betroffen, wenn es passiert. Häufig bekommen sie es gar nicht mit. Z. B. Arbeitskollegen, Partner oder Freundin. Weil sie keine Ahnung haben.

Tja und bei Coach oder TherapeutIn herrscht manchmal Mangel an besserem Wissen und alternativen Handlungsoptionen.

Wer z. B. früh traumatische Erfahrung mit Vertrauensmissbrauch gemacht hat ist empfindlich, wenn er oder sie im Coaching zu etwas gedrängt wird, zu dem er oder sie gerade nicht bereit ist. Bestes Beispiel: ins Gefühl zu gehen. Coaches und Therapeuten finden es enorm wichtig, ihre Klienten ins Gefühl zu bringen. Ob der Zeitpunkt nun für den Klienten stimmig ist oder nicht. Wer an dieser Stelle Druck ausübt, triggert bereits ein altes Muster: Ich werde zu Sachen gezwungen, für die ich nicht bereit und willig bin.

Merkst du, wieviel Achtsamkeit und gute Beobachtung von dir und deinem Gegenüber nötig ist, um das zu vermeiden? Das ist Übungssache. Und es gibt eine Menge praktische Möglichkeiten – alternative Handlungsoptionen. Die lernst du z. B. in der Online EMDR Coach Ausbildung.

Lesen wir weiter die Definition nach Andreas Maercker in Posttraumatische Belastungsstörungen. 3., Springer Verlag, Berlin 2009:

„Als Retraumatisierung werden Vorgehensweisen bezeichnet, die die Patienten nur emotional belasten und keine nachhaltige Erleichterung verschaffen. In ihrer schlimmsten Form können sie, bedingt durch die mangelnden emotionalen Stabilisierungsmöglichkeiten des Traumatisierten, zu einer langanhaltenden Verschlechterung führen. In den weniger schwerwiegenden Fällen kommt es zu einer Reaktualisierung des Traumas, die der Betroffene zwar selbst zu bewältigen imstande ist, die aber kurzfristig zu einer Verschlechterung führen kann.“

Das kann ich leider bestätigen. Klienten berichten manchmal von Erfahrungen, die sie an anderer Stelle gemacht haben. Dass z. B. nach einer Aufstellungsarbeit zu Hause im Nachgang eine Menge Belastendes hochkam und sie nicht wussten, wie sie damit umgehen sollten. Oder bei einer Hypnose kam eine Erinnerung an eine Missbrauchserfahrung hoch und dann ging zu Hause in den nächsten Tagen die Post ab. Holla die Waldfee.

Kommen wir zu Teil 2 der Frage:

Woran erkennst du eine Retraumatisierung?

1. Retraumatisierung und Dissoziation.

Eine Form, mit traumatischer Erfahrung fertig zu werden, ist Dissoziation. Dissociare ist ein lateinischer Begriff und bedeutet auseinanderfallen, trennen, scheiden. Das ist ein Schutzmechanismus. Wer zum Beispiel einen schweren Unfall mit Körperverletzung erlebt hat, kann sich vielleicht erinnern, dass er eine Zeitlang keinen Schmerz gespürt hat. So war es bei mir, als ich mit 9 Jahren von einem Auto angefahren wurde mit Verletzungen und Brüchen an Bein. Der Schmerz kam erst, als ich im Krankenhaus war und sie mir meine Lieblingshose aufschneiden wollten… Das ist eine biologische Schutzreaktion, die uns helfen kann zu überleben. Um uns in Sicherheit zu bringen oder an einen Ort, wo wir Hilfe finden können.

Jemand der Missbrauch erlebt hat, verdankt dieser Schutzreaktion, nicht alles spüren zu müssen während es geschieht. Manche erzählen, sie haben den Körper verlassen und schauen aus dem Fenster dabei oder sehen aus der Ferne, was passiert ohne das Gefühl dabei zu erleben.

Nochmal zu meinem Unfall als 9-Jährige. Ich konnte mich an nichts mehr erinnern außer bis kurz vor dem Unfall und ab da, als ich im Arm meiner Mutter war, die versuchte die Gaffer fernzuhalten, bis der Krankenwagen kam. Dass ein Teil der Erinnerung fehlt ist eine dissoziative Amnesie.

So kannst du bereits folgende Dinge im Vorfeld checken:

Du fragst bereits in der Anamnese, ob Klienten gelegentlich Dissoziationen haben. Wenn ja hakst du nach, wie genau, wie oft, wie lange ist es her, wodurch ausgelöst… Als Coach wirst du es weniger erleben als als Therapeut, es kommt jedoch vor und dann ist es gut, die Info im Vorfeld schon zu haben.

Du wirst im Falle von Coaching mit EMDR nach der Ressourcenarbeit dazu übergehen, die losen Enden des Themas zu sammeln zur Vorbereitung für die Verarbeitung.

Dabei kann es sein, dass du herausfindest, dass KlientIn keinerlei Erinnerungen an eine bestimmte Phase ihres Lebens hat. Das könnte ein Hinweis auf Traumerfahrung sein. Es muss nicht unbedingt der Fall sein, jedoch würden bei mir Alarmglocken angehen und die Achtsamkeit wäre geschärft. An dieser Stelle Achtung: nicht nachbohren! Respektiere, dass im Augenblick der Moment nicht da ist, bleibe wachsam und bereite alles so vor, dass KlientIn und du gut gewappnet bist, sollte zu einem späteren Zeitpunkt etwas an die Oberfläche kommen.

Wovor die meisten Kollegen Respekt haben ist, dass KlientIn im Rahmen des Coachings in eine Dissoziation rutscht. Das würdest du bemerken am abwesenden, starren Blick, Verlust der Orientierung, Gefühl von Gefühllosigkeit, Leere o.ä. Wenn du das bemerkst ist es allerdings schon zu spät. Auch wenn du im gleichen Raum bist beim Präsenzcoaching. Daher ist das A und O, dafür zu sorgen, dass es nicht so weit kommt. Online natürlich besonders. Wie du gute Vorsorge triffst für dich und deine Klienten, lernst du in einer soliden umfassenden Ausbildung unter Supervision z. B. bei der Heartify EMDR Coach Ausbildung.

Wichtig ist für dich als Coach, dass du im Falle von dissoziativen Störungen nach ICD 10 (Rubrik F44) KlientIn in dafür ausgebildete Hände gibst. Geschulte Experten können mit ihrer Erfahrung KlientIn sicherer und gut begleiten. Als Coach solltest du dir und deinen Klienten keinesfalls das Risiko zumuten. Daher ist im Vorfeld die Abklärung in der Anamnese wichtig.

2. Nicht zum Tiger gehen…

Möglicherweise erlebt KlientIn nochmal 1:1 die Situation durch wie damals. Daher auch der Begriff Re-Traumatisierung.

Woran erkennst du das?

KlientIn tendiert dazu die Augen zu schließen und mehr ins innere Erleben zu gehen. Er oder sie hat Gefühle von Hilflosigkeit, Panik, Schocksymptome wie Blässe, verlangsamten Puls und Atmung oder auch umgekehrt Röte im Gesicht, beschleunigter Puls und Atmung, Muskelzittern etc. Es fühlt sich genau an wie in der traumatischen Ursprungssituation. Als erlebe es die Person noch einmal. Das willst du auf jeden Fall vermeiden.

Diese Variante lässt sich am besten mit einer Metapher beschreiben, die wir im EMDR gerne nutzen um mit Klienten Absprachen zu treffen. Es ist eine ergänzende Metapher zur Zug-Metapher, die du unter https://heartify.life/023/ nachlesen oder hören kannst. KlientIn und Coach sitzen also zusammen im Zug. Während der Verarbeitung, Phase 4 des EMDR Coaching, ziehen assoziativ mit dem Thema verknüpfte Erinnerungen vorbei. Da kann auch Mal ein Tiger im Zoo vor dem Zug-Fenster zu sehen sein. Du würdest sicher nicht auf die Idee kommen, den Zug anzuhalten und zum Tiger zu steigen, oder? Sondern du bleibst am besten sitzen und schaust, wie er wieder kleiner wird. Wenn du achtsames ressourcenorientiertes EMDR Coaching gelernt hast, bereitest du Klientin gut vor und ihr trefft im Vorfeld Vereinbarungen und Absprachen. Ihr bereitet verschiedene Möglichkeiten vor, um sicher im Zug zu bleiben zu können während der Verarbeitung. So können sich beide Seiten jederzeit informieren, ob sie noch gut sitzen oder ob es etwas braucht, um wieder gut im Zug zu sitzen. Was es bräuchte ist wurde bereits besprochen, geübt und getestet.

Du hast gehört, dass  die Rede von Verarbeitungsphase war. Im sicheren EMDR Coaching ist das der kleinste Teil. Den größten Anteil nehmen Vorgespräche, Ressourcenarbeit, Üben und Erproben von Stabilisierungsmaßnahmen ein. In diesen Teilen bleibst du informell sachlich und gehst mit KlientIn nicht in die Tiefe zum Thema. Ich erlebe immer wieder, was für eine hohe Kunst das ist, die es wirklich zu üben gilt.

Ich wiederhole mich, jedoch kann ich es nicht oft genug betonen: Das alles gilt für Präsenzcoaching genauso wie für Online Coaching.

Beim Präsenzcoaching kann man sich allerdings noch irgendwo durchmogeln über Körperkontakt und ein bisschen mehr auffangen.

Abgesehen davon, dass ich solche Erfahrungen unnötig finde und der Meinung bin, dass man sich und seinen Coaching Klienten derartige Erfahrungen ersparen sollte, funktioniert das beim Online Coaching nicht mehr.

Bedenke: wir reden hier vom Coaching zu Coaching Themen und nicht von Therapie.

Daher begrüße ich besonders gerne Kollegen, die EMDR Coaching direkt sicher online lernen wollen. Dann sind sie auch für Präsenz Coaching mit EMDR besser gerüstet. Zudem sind die Klienten besser vorbereitet für den Fall, dass doch nochmal zu Hause im Nachgang etwas Belastendes auftauchen sollte. Das lernst du für Phase 7 des EMDR Coachings: den Abschluss gestalten.

Wenn du über die Phasen des EMDR Coaching gestolpert bist und mehr wissen möchtest, verlinke ich dir in den Shownotes die Beiträge, in denen sie näher vorgestellt werden.

Du merkst, bei dem Thema finde ich kaum ein Ende, weil es so wichtig ist und mir unendlich am Herzen liegt. Mir ist wichtig, dass du deine Klienten gut und sicher begleitest. Auch online.

Wenn du dich für die EMDR Coach Ausbildung online interessierst: die nächsten Termine stehen bereits. Auf https://heartify.life/emdr/ausbildung findest du jede Menge weiterführende Informationen. Und wenn du auf dem Laufenden gehalten werden willst, trage dich für den Newsletter ein. Denn Newsletter Empfänger bekommen oft noch Zusatzinfos und erfahren als erste von neuen Beiträgen oder auch Terminen.

Mach es dir leichter, Anderen zu helfen. Auch online.

Deine Kathrin

 

P.S.: Ergänhze gerne im Kommentarfeld Anregungen, wie du Retraumatisierung vermeidest bei deinen Klienten!

 

About the Author

Mach es DIR leichter anderen zu helfen! Mit diesem Motto hat Kathrin Stamm viele hilfreiche Tipps und Tricks auf Lager, wie du als Coach und Berater mehr Leichtigkeit in dein Leben und das deiner Klienten bringst. Hol dir die Praxistipps direkt aufs Ohr mit ihrem Podcast https://heartify.life/podcast-coachingoase

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