Entspannung lernen mit Lachyoga – eine Alternative zu klassischen Entspannungsmethoden

Ja, Entspannung lernen mit Lachyoga. Davon hast du vielleicht noch nicht gehört. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung – das ist noch geläufig. Aber Lachen und Lachyoga zur Entspannung? In diesem Beitrag pflücke ich auseinander, wie intensives Lachen tiefen-entspannt. Und zwar mehr, als manche Entspannungsübung. Das bestätigen jedenfalls Teilnehmer meiner Lachgruppen immer wieder. Vor allem die „Entspannungsmuffel“ – Menschen, die mit den klassischen Entspannungsangeboten nicht richtig zurecht kommen. Sie sind erstaunt, dass sie doch sehr, sehr tief entspannen können. Zum Einsteigen ins Thema eine kleine Wahrnehmungsübung:

Anspannung, Entspannung, Rhythmus und Lachen.

Dein Herzschlag. Fühle ihn doch einfach mal. Jetzt. Du kannst deinen Puls an der Innenseite des Handgelenks ertasten: spürst du das regelmäßiges Pulsieren? Dein Herz schlägt von ganz alleine 60-80x pro Minute.

Deine Atmung: beobachte auch sie für einen Moment. Von ganz allein bewegt sich die Luft an deiner Nase. Kühle Luft strömt ein, warme wieder aus. Im Liegen könntest du besonders gut beobachten, wie sich der Bauchnabel hebt und senkt in seinem eigenen Rhythmus. 12-16x pro Minute.

Hast du übrigens gerade gemerkt, wie du dich ein wenig entspannt hast? Weil du deine Aufmerksamkeit vom sonstigen Alltagsgeschehen und der üblichen unbewussten Körperhaltung weggenommen und zum Körper hingelenkt hast. Ein erster Effekt, den du jederzeit nutzen kannst, um dich ein wenig zu entspannen bzw. deine Konzentrationsfähigkeit wieder aufzufrischen. Genieße das einen Moment, bevor du weiter liest.

Foto Kathrin Stamm via canva.com Entspannung lernen mit Lachen Atem wahrnehmen

Bio-Logik von Rhythmus

Zu bestimmten Zeiten hast du Hunger, in anderen wird verdaut (ebenfalls ganz selbstständig). Du hast Phasen, in denen du wach und produktiv bist, Phasen, in denen du weniger produktiv bist, zu Müdigkeit neigst und nach innen gekehrt bist und Phasen, in denen du schläfst.

Wenn du die verschiedenen Rhythmen deines Körpers Revue passieren erscheint es logisch, dass Anspannung und Entspannung, Produktivität und Nicht-Produktivität mit Regeneration natürliche Rhythmen des Körpers sind. Woher kommt der Mythos, dass ein gesunder Mensch 8 Stunden dauerhaft fit, froh und leistungsfähig sein muss? Und dass etwas nicht mit dir stimmt, wenn du dazu nicht in der Lage bist? Ist das tayloristische Weltbild (den Menschen als Maschine zu sehen) immer noch so tief in uns verankert?

Wir sind bio-logische Wesen. Lebendig. Rhythmen „unterworfen“ bzw. im gesunden Zustand mit den Rhythmen unseres Körpers und der Umgebung im Einklang. Wie können wir das nur immer wieder vergessen? Zum Glück haben wir den Körper. Der erinnert uns immer wieder daran:

„Sehnst du dich nach Entspannung?“ fragt der Körper oftmals, wenn’s irgendwo zwickt oder schmerzt.

Schon einige Stunden am Computerarbeitsplatz – Hände kühl, Arme steif, ganz zu schweigen von Schulter und Hals und überhaupt. Kennst du das? Ich erlebe das z. B. in den Phasen, in denen ich Homeoffice-Arbeiten erledige.

Anspannung und Entspannung – ein cooles Paar:

Anspannung – Entspannung, das ist ebenfalls ein rhythmisches Verhalten. Diesmal die Muskeln betreffend. Unsere Skelettmuskulatur kennt nur Anspannung oder „Loslassen“, was zu Entspannung führt. Hier ein ganz kurzer Film, der den Mechanismus in den Muskeln anschaulich macht.

Dauerhafte Anspannung führt zu Verkrampfung oder Verhärtung. Und die macht sich irgendwann schmerzhaft bemerkbar. Dafür sind sie letzten Endes gut, unsere Verspannungen: uns zu erinnern, dass wir vergessen haben in den Gegenpol zu schwingen, in das Loslassen, Entspannen und zur Regeneration, ohne die wir nicht wirklich kraftvoll weiterarbeiten können.

Illustration via canva.com Entspannung lernen mit Lachyoga - Yin und Yang

Entspannung lernen mit Lachyoga

Eine ungewöhnliche Option?

Lachen ist eine Möglichkeit, Verkrampfungen und Verhärtungen zu lösen.

Wie das jetzt? Lachen ist doch intensive Muskeltätigkeit und kann regelrecht anstrengend sein. Wer schon mal richtig feste gelacht hat (und ich gehe davon aus, dass das bei Jedem der Fall war – kürzer oder länger her), erinnert sich vermutlich. Erinnerst du dich auch, wie du dich danach gefühlt hast? Angenehm entspannt nämlich. Diesen Effekt vergleiche ich gerne mit dem, was bei der Progressiven Muskelentspannung passiert.

Als Kursleiterin für PMJ kenne ich den Effekt sehr genau. Wenn du magst, kannst du ihn mit folgender kleiner Übung sofort nachvollziehen:

Winkle deinen rechten Arm an, balle die rechte Faust und spanne Finger- und Unterarmmuskulatur für 5- 10 Sekunden an (5 – 10 x einundzwanzig sagen, Achtung, nicht überteiben!). Dann lasse plötzlich los. Spüre den Unterschied zu vorher. Und den Unterschied zwischen dem rechten und dem linken Arm. Zum Nachspüren in den entspannten Muskelzustand nimm dir doppelt so viel Zeit wie beim Anspannen. Vermutlich möchtest du das ungleiche Gefühl gerne ausgleichen und dazu kannst du die Übung mit der linken Faust und dem linken Arm wiederholen.

Bei der Progressiven Muskelentspannung machen wir diese Übung mit diversen Muskelgruppen des ganzen Körpers der Reihe nach. Dadurch stellt sich eine tiefe Entspannung im ganzen Körper ein.

Beim Lachen ist der Effekt recht ähnlich: Durch intensives Lachen, vor allem beim Lachflash oder auch beim Lachtraining oder Lachyoga, werden minutenlang (10 Minuten Minimum erwünscht) an die 100 Muskeln und Müskelchen im Körper aktiviert. Spätestens wenn dir dann die Puste ausgeht und du aufhörst zu lachen, setzt als Reflex eine tiefe Entspannung ein, die sich im Körper angenehm ausbreitet.
Das ist einer der Gründe, warum so viele Menschen die kurzen lustigen Youtube-Filme und Comedy-Shows gucken. Es entspannt herrlich.
Beim Lachyoga nutzen wir diesen Entspannungseffekt noch weiter und vertiefen ihn mit diversen Entspannungsübungen. Z. B. dem Yoga Nidra (Schlafyoga), eine kurze Reise durch den Körper, in der man einfach die Entspannung der Reihe nach in allen Körperteilen wahrnimmt, die sich ohnehin gerade eingestellt hat. Die Wahrnehmung vertieft die Entspannung weiter – genau wie bei der Progressiven Muskelentspannung.

Ich hatte etliche Teilnehmer beim Lachyoga, die generell keine Typen für Entspannungskurse waren und bisher mit Entspannungsübungen keine Erfolge erzielten, obwohl der Arzt es empfahl – so erzählten sie. Interessanterweise gelang es ihnen nach dem Lachyoga bei der dazu gehörenden Entspannungsübung ganz einfach in Entspannung zu kommen. Ein nicht zu unterschätzender Wert und Effekt.
So wie ich insgesamt meine, dass die positiven Wirkungen des Lachens und von Lachyoga nicht nur dem Lachen selbst, sondern auch der dadurch automatisch folgenden Entspannung geschuldet sind. Je doller das Lachen, desto doller die Muskelkontraktionen, desto intensiver der anschließende Entspannungseffekt. Also Entspannung lernen mit Lachyoga ist auch für Ungeübte eine geniale Möglichkeit. Wenn du zu den Menschen gehörst, die sich nach Entspannung sehnen, die „Entspannungsklassiker“ jedoch nicht so reizen. Na dann:

Lachübung mit Entspannungseffekt:

Eine super Schnupper-Lachübung zum Entspannung lernen mit Lachyoga habe ich hier für dich. Sie ist besonders geeignet zum Testen des Effekts der Entspannung, die nach intensivem Lachen wie von selbst eintritt.

Entspannung lernen mit Lachyoga Foto Kathrin Stamm via canva.com

Zugegeben: von jetzt auf gleich intensiv zu lachen mit der Übung ist schon eine Kunst. „So tun als ob“ unterstützt dich dabei. Entspannung lernen mit Lachyoga ist eben doch eine kleine Herausforderung. Am besten suchst du dir für die Übung ein geschütztes Eckchen, wo du ungestört bist.

Achtung: die Übung ist nicht geeignet für Schwangere, nach einer Bauch-Op oder ähnlichen Situationen, wo kein Druck im Bauchraum ausgeübt oder intensive Muskelaktivität angesagt wäre. Ansonsten einfach viel Vergnügen!

Das Aufsteigende Lachen:
Du nimmst die Finger einer Hand, beginnst mit dem Zeigen des Daumens fast lautlos zu kichern, beim Zeigefinger lachst du etwas lauter, und so lachst du bei jedem Finger lauter und kräftiger. Beim kleinen Finger erreichst du die stärkste Stufe und lachst richtig mit Druck (also stärkster Muskelaktivität).

Und jetzt kommt der wichtige Teil, der oftmals übergangen wird:

Spüre in den Körper, wie er sich am Ende der Übung anfühlt: die Atmung, dein Puls, die Körperwärme und an welchen Stellen und Körperbereichen du die Entspannung besonders spürst. Genieße das wohlige Gefühl! Das ist mindestens ebenso wichtig wie das Lachen 🙂

Dann wünsche ich gute Entspannung mit Lachen!

P.S.: Hast du schon Entspannung nach intensivem Lachen erlebt? Teile gerne deine Erfahrungen oder Anregungen zum Thema im Kommentarfeld unten. Danke!

About the Author

Mach es DIR leichter anderen zu helfen! Mit diesem Motto hat Kathrin Stamm viele hilfreiche Tipps und Tricks auf Lager, wie du als Coach und Berater mehr Leichtigkeit in dein Leben und das deiner Klienten bringst. Hol dir die Praxistipps direkt aufs Ohr mit ihrem Podcast https://heartify.life/podcast-coachingoase

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