063 Kohärentes Atmen und EMDR

Kohärentes Atmen und EMDR

Vom HeartMath® Institut habe ich das erste Mal vor 10 Jahren gehört, als ich den Film „Im Einklang mit der göttlichen Matrix“ sah. Ich war damals noch sehr damit beschäftigt, was ich unternehmen konnte, um nach Krebserkrankung gesund zu bleiben. Fasziniert lauschte ich Gregg Braden, dass das Herz ein eigenes Informationsverarbeitungssystem hat. Dass es das Gehirn und Nervensystem beeinflusst, unsere Hormone und sogar Einfluss auf unser Immunsystem hat. Ich horchte auf. Allein die Tatsache, dass neun Mal so viele Nerven vom Herzen zum Gehirn laufen als umgekehrt lässt den Schluss zu, dass das Herz bedeutendere Funktionen hat als eine einfache Blutpumpe. Herz und Gehirn haben mich schon seit meiner Jugend in den Bann gezogen. Ich dachte: hier geschehen gerade spannende neue Entdeckungen.

Als HeartMath® vor 5 Jahren die erste Trainer Ausbildung in Deutschland angeboten hat, war ich sofort dabei. Das kohärente Atmen ist die absolute Basisübung, auf der alle anderen Techniken des HeartMath® Instituts aufbauen. Sie ist bereits uralt: im Buddhismus und Yoga wird sie schon seit Jahrhunderten praktiziert. Ich wünsche mir, dass ich dir die den Nutzen und die Qualität des kohärenten Atmens im wahrsten Sinn des Wortes ans Herz legen kann. In Verbindung mit Coaching, besonders dem EMDR Coaching ist diese kleine feine Übung ein echter Schatz.

Was erwartet dich in der Folge Kohärentes Atmen und EMDR?

Du erfährst

  • Was Herzkohärenz ist
  • Wie du sie mit der Atmung beeinflusst
  • Wofür sie im Coaching und speziell im EMDR hilfreich ist
  • Vertiefendes über die Bedeutung des Trainingsfaktors.

Wenn du die Übung selbst testen möchtest, findest du weiter unten ein Mitmachvideo.

Am Ende hast du eine wertvolle kleine Übung, die du deinen Klienten empfehlen kannst. Ich wünsche dir auch neue Einsichten über den Trainingsfaktor, damit du deine Klienten mit mehr Begeisterung „anstecken“ kannst.

 

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Shownotes zu Folge 063

Die im Podcast erwähnten Folgen: 060 Toleranzfenster im Coaching,  062 Humming und EMDR

Mehr über EMDR Coaching findest du in der Kategorie EMDR Ausbildung

Im EMDR Webinar erfährst du, wie EMDR im Coaching funktioniert, wie du es lernst und bekommst weitere Tipps für deine Coachingpraxis.

Die Trainer- und Coach- Ausbildung in der HeartMath® Methode kannst du bei Heartmath Deutschland machen.

Skript: Kohärentes Atmen und EMDR

Vielleicht weißt du schon, dass die Mitarbeiter des HeartMath Instituts seit über 30 Jahren Stress- und Resilienzforschung betreiben. Sie erforschen, wie wir widerstandsfähiger werden, gesund bleiben und besser mit dem wachsenden Druck und Anforderungen des Alltags umgehen können. Dabei entdeckten sie die zentrale Rolle des Herzens. Im Beitrag Das Toleranzfenster im Coaching habe ich geschildert, was Herzkohärenz ist. Denn auch für Coaching gilt: Nicht zu viel und nicht zu wenig Stress und Druck. Damit Gehirn und Nervensystem in einem möglichst idealen „Betriebsmodus“ sind, um die nötigen Veränderungen gut zu meistern. Und um besser neue Lösungen und Wege zu finden. Hier nun einige ergänzende Aspekte zu Kohärenz.

Was bedeutet Kohärenz und kohärentes Atmen?

Lateinisch cohaerere heißt zusammenhängen, verbunden sein, Halt haben. Ein flexibles Herz kann besser mit Stress umgehen als ein weniger flexibles. Ein flexibles Herz ist anpassungsfähig. D.h. der Herzschlag passt sich z. B. dem Atemrhythmus an. Beim Einatmen beschleunigt sich der Herzschlag, beim Ausatmen verlangsamt er sich. Je besser das Herz flexibel mitgehen kann, desto widerstandsfähiger sind der Körper und die Psyche. Alles hängt zusammen und ist miteinander verbunden. Denn das Herz sendet ständig Informationen an das Gehirn und beeinflusst daher auch dessen Betriebszustand. Daher das Wort Kohärenz. Herzkohärenz ist der Ausdruck für diesen flexiblem einflussreichen Zustand des Herzens.

Je weniger flexibel das Herz reagiert auf die Atmung, desto stärker werden Körper und Psyche in Mitleidenschaft gezogen. Es ist auch umgekehrt: ein kranker Körper und belastende Emotionen wie Wut, Ärger, Schuld, Schamgefühle u.a. können die Flexibilität des Herzens senken. Das wirkt sich wiederum schwächend auf Gehirn- und Nervensystem, die Hormone usw. aus. Das Aufeinander-Abgestimmtsein im Körper nimmt ab. Chaos verstärkt wiederum Stress. So entsteht ein Stress-Teufelskreis.

Ich habe dir in den letzten Folgen bereits mehrere Möglichkeiten vorgestellt, damit umzugehen. Heute kommt eine ganz simple Methode, die es in sich hat.

Kohärentes Atmen und EMDR

Klienten suchen deine Unterstützung in Themen wie

  • Trennung,
  • Ärger am Arbeitsplatz,
  • Auflösung von Belastungsthemen und inneren Blockaden,
  • Auflösung von Ängsten u.v.m.

Dabei kennst du auch, dass sie viel belastenden Emotionen zu tun haben. Ja, es kann sogar sein, dass im Coaching belastende Emotionen vorübergehend sehr kräftig hochschwappen. Belastende Emotionen schwächen die Flexibilität des Herzens und stärken den Chaos-Zustand.

Das kann beim EMDR Coaching genauso passieren wie bei jedem anderen Coaching auch. Wir sind nicht gefeit davon, dass immer alles im grünen Bereich bleibt. Gerade weil die natürliche Selbstregulation nicht ausreichend funktioniert hat, weil ihre Widerstandsfähigkeit sehr gebeutelt ist, finden Klienten zu uns.

Darum bin ich Verfechterin von gründlicher Ressourcenarbeit. Auch wenn KlientIn offensichtlich kein Trauma Thema hat. Grundsätzlich sollten Klienten einige Möglichkeiten an der Hand bekommen, sich ggf. während des Coachings oder auch später zu Hause, schnell ins Gleichgewicht bringen zu können.

Kohärentes Atmen ist denkbar einfach.

Die Übung kann wirklich überall und jederzeit praktiziert werden. Zu Beginn hilft es vielleicht, die Augen zu schließen. Dann sollte sie jedoch auch mit offenen Augen gelingen. Denn hier geht es nicht um Entspannung, sondern um optimal aufeinander abgestimmten Arbeitsmodus für Körper, Gehirn und Nervensystem.

Ich habe mir für den Sreenshot mit dem EmWave® Biofeedbackgerät zu Beginn absichtlich ein paar ärgerliche Gedanken gemacht. Nach einiger Zeit habe ich mit dem kohärenten Atmen begonnen. Du siehst direkt, wie das Schwingungsbild meines Herzschalgs sich verändert. Zu Beginn ist es zackig und eher chaotisch, danach wird es regelmäßiger und dann vergrößert sich die Amplitude, also die Flexibilität des Herzens.

Hier kannst du es ganz konkret sehen:

Foto by Kathrin Stamm, EmWave Biofeedback HeartMath Kohärentes Atmen und EMDR

Nun bin ich sehr im kohärenten Atmen geübt und der Switch gelingt schnell. Bei der Gelegenheit: Am besten komme ich für Demo-Zwecke aus der Kohärenz, wenn ich Nachrichten sehe oder höre. Denn wenn ich höre, was Menschen sich alles gegenseitig antun oder wie unachtsam sie mit unseren Ressourcen umgehen, dann falle ich doch noch aus der Kohärenz.

Die Wirkung des kohärenten Atmens

In der letzten Folge https://heartify.life/062 habe ich das „Humming“ vorgestellt als stärkende Übung. Humming wirkt eher entspannend und beruhigend. Es aktiviert intensiv den Parasympatikus.

Kohärentes Atmen ist keine Entspannungstechnik. Das ist wichtig zu wissen.

Statt dessen fördert es

  • bessere Orientierung im Hier und Jetzt.
  • konzentrierter Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit.
  • besseren Zugriff auf unsere Ressourcen.
  • die  Selbstregulation

Die Übung bewirkt also  nicht Entspannung, sondern unterstützt die natürliche Flexibilität des Herzens. Dabei werden Körper, Organe, Gehirn und Nervensystem in einen aufeinander abgestimmten Zustand gebracht. So kann Selbstregulation besser erfolgen.

Und das ist es ja, was wir uns auch im Coaching für unsere Klienten wünschen. Dass ihre Selbstregulationsfähigkeit gut funktioniert.

Die Übung kohärentes Atmen – so geht‘s

Dazu kannst du den Spieß einfach umdrehen. Du nutzt die Kraft der Atmung, um KlientIn wieder ins Gleichgewicht zu begleiten.

Deine Klienten sollten dabei in drei Schritten vorgehen:

  1. Konzentration auf die Atmung
  2. Aufmerksamkeit auf den Brustraum.
  3. Vertiefung und Verlängerung der Atemzüge.

Dauer: so lange es gut tut. 1-3 Minuten sind empfehlenswert.

Allein das kann bereits das Herz unterstützen, in den widerstandsfähigen kohärenten Modus umzuschalten.

Daher heißt die Übung auch kohärentes Atmen oder herzfokussiertes Atmen.

Kohärentes Atmen – Übung zum Mitmachen

Mach die Übung einfach gleich mit.

Achtung:

Sie ersetzt weder Arzt oder Psychiater noch eineTherapie.

Stelle sicher, dass du gerade Raum und Zeit hast. Das bedeutet, dass du beim Autofahren oder irgendeiner Tätigkeit, die deine Aufmerksamkeit erfordert, die Übung nicht machen darfst.

Da du ja hier die Einleitenden Worte bereits gelesen hast, kannst du auch gerne direkt zu Minute 5:57 steppen, zur praktischen Anleitung und zum Mitmachen:

Welche Veränderungen hast du mit der Übung erlebt? Hinterlasse deine Erfahrung gerne unten im Kommentarfeld.

Übung macht den Meister

Das gilt auch für kohärentes Atmen. Es ist schön die Übung zu kennen. Es ist schön, sie einmal auszuprobieren. Es ist jedoch am wirkungsvollsten, sie täglich 1-3 Minuten zu praktizieren.

Aus meiner Sicht ist die große Krux die Ausdauer beim Üben. Denn was hilft die beste Übung, wenn du sie nur kennst oder im Notfall anwendest? So gut wie nichts.

Beim Yoga zum Beispiel würdest du auch nicht auf die Idee kommen, dass ein Yoga-Video anzuschauen oder einmal den Sonnengruß zu machen reicht, um gelenkig und fit zu bleiben bis ins hohe Alter und alle hilfreichen Wirkungen des Yoga zu genießen.

Das ist bei Methoden zur Unterstützung im Coaching oder zur Unterstützung unserer körperlichen oder seelischen Gesundheit nicht anders.

Krankenkassen finanzieren beispielsweise Kurse für Progressive Muskelentspannung nur, wenn sie mindestens 8 Wochen dauern. Das ist richtig! Einmal ein MP3 mitmachen reicht eben nicht aus, wenn Entspannung nachhaltig die Gesundheit fördern soll.

Ich habe selbst viele Jahre zertifizierte Muskelentspannungskurse gegeben. Dabei konnte ich immer wieder erleben, was sich im Leben der Teilnehmer alles verbessert hat, wenn sie zu Hause einigermaßen konsequent geübt haben. Am Ende hat die Ultrakurzentspannung im Alltag prima funktioniert. Ohne das viele Üben wäre der Körper in der Entspannung nicht trainiert worden.

Beim kohärenten Atmen ist es nicht anders. Auch wenn die Übung so einfach und „klein“ ist. Die Wissenschaftler des HeartMath Instituts haben festgestellt, dass nach 4 Wochen regelmäßigen Trainings die Anpassungsfähigkeit, also die Flexibilität des Herzens sichtbar und messbar steigt. Das musst du deinen Klienten „verklickern“ können. Denn sonst haben sie nicht viel davon. Auch und gerade, wenn du EMDR Coaching mit Klienten machst, musst du in der Lage sein deine Klienten zu animieren, sich ihre „Lieblingsübungen“ zur Stärkung herauszusuchen und diese dann auch zu Hause zwischendurch regelmäßig zu wiederholen und anzuwenden. Meistens spüren Klienten schnell, was ihnen das bringt und wiederholen die kleinen Übungen gerne. Voraussetzung: du hast es ihnen gezeigt und konntest ihnen den Nutzen deutlich genug ausmalen.

Ich selbst habe bemerkt, dass die Herzkohärenz, die Flexibilität meines Herzens, sich nach 3 Monaten, ja sogar noch nach 6 Monaten kleinschrittig weiter verbesserte. Darum kann ich Klienten dafür begeistern. Weil ich es selbst lange geübt habe und immer noch anwende.

Wenn du deinen Klienten Übungen zur Stabilisierung, Entspannung oder wie hier zur Förderung von Kohärenz an die Hand gibst, übe sie zunächst selbst. Und zwar gründlich. Erforsche ihre Wirkungen zuerst an dir. Dann hast du auch die entsprechende Begeisterungsfähigkeit, um deine Klienten zu animieren, dran zu bleiben.

Übrigens: Da die Flexibilität des Herzens auch ein Messfaktor für das biologische Alter ist, kannst du die kleine Übung ganz nebenbei als Jungbrunnen nutzen. Du merkst schon, ich bin so richtig begeistert!

Wie du den Effekt des herzkohärenten Atmens noch steigern kannst, verrate ich dir in einer der nächsten Folgen.

Kurze Zusammenfassung zu kohärentem Atmen und EMDR

Kohärentes Atmen ist eine Übung aus der buddhistischen Meditationspraxis.

Das HeartMath Institut hat erforscht, dass herfokussiertes oder herzkohärentes Atmen die Orientierung im Hier und Jetzt, die Wahrnehmungsfähigkeit, Klarheit und das innere Gleichgewicht stärkt.

Ich lege dir die Übung zum Selbsttest ans Herz. Schau dir dazu das Video an und mach mit, wenn du Zeit und Ruhe dafür hast.

Wichtig ist vor allem, die Übung regelmäßig zu wiederholen um einen langfristigen Effekt zu bewirken. Damit die Flexibilität des Herzens zunimmt und damit Herz, Gehirn, Nerven-, Hormonsystem und Organe sich besser aufeinander abstimmen. Auf diese Weise kommen wir besser mit Druck und Belastungen zurecht und schädigen uns weniger. Wir können wieder schneller regenerieren und unser Gleichgewicht finden.

Davon profitieren deine Klienten natürlich ebenfalls, wenn du die Übung deinen Klienten empfielst.

Im kostenfreien EMDR Webinar bekommst du übrigens weitere Praxistipps, wie du deine Klienten bei ihrer Orientierungsfähigkeit im Hier und Jetzt unterstützen kannst: https://heartify.life/emdr-webinar

 

Kanntest du das kohärente Atmen schon? Hast du damit bereits Erfahrung gemacht? Teile sie gerne mit uns hier im Kommentarfeld.

Entspannte Grüße

Kathrin (Stamm)

 

About the Author

Mach es DIR leichter anderen zu helfen! Mit diesem Motto hat Kathrin Stamm viele hilfreiche Tipps und Tricks auf Lager, wie du als Coach und Berater mehr Leichtigkeit in dein Leben und das deiner Klienten bringst. Hol dir die Praxistipps direkt aufs Ohr mit ihrem Podcast https://heartify.life/podcast-coachingoase

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