059 Skalierungen im Coaching – eine enorme Hilfe

Skalierungen im Coaching – eine enorme Hilfe

Vor ca. 10 Jahren bin ich im Rahmen von Fortbildungen zu lösungsfokussiertem Kurzzeitcoaching auf Skalierungen im Coaching gestoßen. Die Dozentin Christa Herold hatte ihre Fortbildungen wiederum bei Steve De Shazer und Insoo Kim Berg persönlich in Milwaulkee absolviert. Sie wusste zu berichten, dass die beiden auf Skalierungen als enorme Kraft im Coaching großen Wert legten. Entsprechend hat sie uns auch im positiven Sinn getrietst. Seitdem habe ich nur davon profitiert. Auch im EMDR Coaching spielen Skalierungen eine wichtige Rolle. Oft werden sie unterschätzt und ihr Potenzial nicht richtig genutzt. Daher gönne dir heute die Folge, um dich entspannt weiterzubilden oder dir vielleicht die eine oder andere Idee für deine Praxis abzuholen.

Was erwartet dich in „Skalierungen im Coaching – eine enorme Hilfe“?

Wir sprechen darüber …

  • was Skalierungen im Coaching sind
  • welche Skalierungsarten es gibt
  • 5 Einsatzmöglichkeiten für Skalierungen im Coaching
  • die 2 Skalierungen im EMDR Coaching.

Am Ende weißt du was du womit bei deinen Klienten mit Skalierungen erreichen kannst. Vielleicht bekommst du dabei sogar Lust, Skalierungen selbst (wieder) mehr zu nutzen.

 

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Shownotes zu Folge 059

Gelange hier zum erwähnten Beitrag Was ist EMDR?

Mehr über EMDR Coaching findest du in der Kategorie EMDR Ausbildung

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Skript: Skalierungen im Coaching – eine enorme Hilfe.

Bevor wir loslegen bin ich neugierig, ob und wie du bislang Skalierunsfragen im Coaching einsetzt. Schreibe mir das doch gerne in den Kommentar.

Was bedeutet Skalierung im Coaching?

Skalierung im Coaching nutzen heißt: Du setzt Skalen ein, indem du deine Klienten aufforderst zur subjektiven Selbsteinschätzung der Wahrnehmung des inneren Erlebens deiner Klienten. Und zwar auf einer von dir vorgegebenen Skala. Um ein Beispiel zu nennen: Eine Skala von 0 – 10, um die Belastung durch ein Thema im gegenwärtigen Moment als Ausgangssituation festzuhalten und am Ende der Sitzung schauen zu können, was sich verändert hat. Dazu später mehr.

Jetzt geht es los. Es gibt nämlich verschiedene Arten von Skalen, die du nutzen kannst.

1. Die unipolare Skala

Sie hat nur einen Pol. Entweder einen „weg von“-Pol im Coaching. Z.B. die Belastung durch ein Gefühl wie Ärger. Gängig ist die Praxis bei Belastung von 0 bis 10. Die Frage dazu lautet dann: Wie hoch ist jetzt deine Belastung durch Ärger von 0 entspricht keinerlei Belastung und 10 entspricht unerträglich, nicht mehr zu steigern.

Die gleiche unipolare Skala kann auch auf einen „hin zu“ Pol ausgerichtet sein. Z. B. Gelassenheit mit Thema XY. Dann lautet die Frage: Wie stufst du jetzt deine Gelassenheit im Umgang mit Thema XY ein von 0 entspricht keine Gelassenheit bis 10 total gelassen?

2. Die bipolare Skala

Sie hat zwei entgegengesetzte Pole. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten mit Zahlen zu spielen. Bleiben wir beim letzten Beispiel, dann wäre 0 Extrem aufgeregt und 10 total gelassen. Manchmal sieht man an dieser Stelle Skalierungen von -10 bis +10. Also -10 wäre maximal aufgeregt, 0 „neutral“ und 10 total gelassen.

3. Wortskala

In Tests oder Umfragen werden gerne Wortskalen verwendet wie z. B. ob etwas zutrifft: „gar nicht, bisschen, ziemlich, voll und ganz“ Solche Wortbeschreibungen nutzen wir dann eher, wenn jemand Schwierigkeiten hat, aus dem Bauch heraus eine Zahl zu nennen. Damit die Zahlen nicht so abstrakt sind. In der Beschreibung oben habe ich die 0 und die 10 auch mit Worten erläutert.

4. Symbolische Skala

Sie nutzt z. B. Emoticons, Smileys um die Stufen zu veranschaulichen. Oder für die Stimmung die Farbschattierungen von weiß (gut) bis schwarz (super schlecht). Diese Skalen werden gerne bei der Arbeit mit Kindern eingesetzt. D.h. sie sind da zum Beispiel in Form eines Halbkreises mit den entsprechenden Abschnitten und einer Art Uhrzeiger zum Anzeigen des gegenwärtigen Stands. Oder es ist einfach eine lineare Abbildung, auf das das Kind deuten kann.

Für mich persönlich sind die unipolaren Skalen am hilfreichsten. Wie wir nachher sehen werden arbeiten wir beim EMDR mit zwei unterschiedlichen Skalen parallel. Sehr spannend.

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Skalierungen im Coaching

Also wofür sind Skalierungen überhaupt sinnvoll? Was ist ihr Nutzen? Und wie kannst du das Optimum herausholen aus den Skalierungen im Coaching für deine Klienten?

Dazu stelle ich dir hier 5 Möglichkeiten vor.

1. Skalierung zur Standortbestimmung

Wie vorhin bereits erwähnt, kannst du zu Beginn einer Sitzung die Ausgangssituation mit Skalierung bewerten lassen. Dann hast du einen guten Vergleich von vorher – nachher.

Dabei ist wichtig in deiner Skalierungsfrage das Wörtchen „jetzt gerade“, „hier in der Praxis“ einzufügen. Denn wenn du das nicht tust, bezieht KlientIn das vielleicht auf die Belastung, die er oder sie in der Akutsituation vor 3 Wochen erlebt hat. Jetzt ist Belastung vielleicht schon weniger geworden, weil ein wenig Zeit verstrichen ist und weil KlientIn ja hier sitzt und es anpackt. Das ist übrigens auch wichtig, um im Toleranzfenster zu bleiben. Das werden wir in einer der nächsten Podcastfolgen vertiefen.

Ein Beispiel: Eine Klientin kommt, um den Frust mit ihrer Kollegin zu anzugehen. Zu Beginn der Sitzung war der Frust auf einer Skala von 0 – 10 (0 für überhaupt keiner, 10 für unerträglich) bei 7. Am Ende ist er bei 4. „Wow, 4! Da ist ja was gegangen. Am Anfang war dein Frust bei 7. Erinnerst du dich?“ Das hilft, die Teilerfolge bewusst wahrzunehmen und auch sie zu verstärken.

Übrigens geht die innere Arbeit bei Klienten in der Regel weiter bis zur nächsten Sitzung. Wenn du daher zu Beginn nochmal die Skalierung abfragst, wundere dich nicht, wenn z. B. der Frust von 4 noch weiter auf 3 gesunken ist. Inzwischen hat sich vielleicht einiges integriert und auch schon Veränderungen im Alltag bewirkt.

2. Zielerreichung skalieren

Ich empfehle grundsätzlich nicht nur das „weg von“, also z. B. die Belastung durch eine Herausforderung zu skalieren, sondern auch das „hin zu“. Also die Lösung, das Ziel des Coachings.

Das kannst du vor jeder Coaching Sitzung tun und/oder in Bezug auf das Gesamtergebnis, das mit mehreren Sitzungen erreicht werden soll. Wohlformulierte Ziele zu finden ist übrigens immer ein hartes Ringen. Das ist jedoch heute nicht das Thema. Das hatten wir vor ein paar Tagen zum Beispiel im Workshop für Mitglieder des Heartify Coach Netzwerks als Thema. Wenn du dich für das Coach-Netzwerk interessierst, komme einfach in die nächste Kraftquellen-Woche für Coaches und Berater. https://heartify.life/kraftquellen-woche

Also angenommen die Klientin hat als Ziel für die erste Coaching Sitzung „Klarheit ihrer Situation und Perspektive sehen“ auf der Skala von 0 bis 10 (0 ist keinerlei Klarheit und Perspektive, 10 ist totale Klarheit und Perspektiven) den aktuellen Stand auf 2 skaliert. Am Ende der Sitzung kommst sie auf eine 6. Tipp: Wiederhole anerkennend den Unterschied, was sie schon in der ersten Sitzung für sich erarbeitet hat. Das gehört nämlich auch dazu. Auf die Erfolge aufmerksam machen und sie feiern.

3. Unterschiede nutzen

Du kannst die Zahlen ganz bewusst nutzen und KlientIn enorm unterstützen, das eigene implizite Wissen anzuzapfen. Also das Wissen, das noch nicht ins Bewusstsein oder in Zusammenhang gebracht wurde mit der aktuellen Herausforderung.

Bleiben wir mal bei dem Beispiel von eben. Du kannst mehrmals Unterschiede nutzen.

Die erste Möglichkeit ist direkt zu Beginn. „Ah, deine Klarheit und Perspektive ist schon bei 2! Wie kommt es, dass sie nicht bei 0 ist? Was macht den Unterschied aus?“ Manchmal kann man regelrecht sehen, wie es im Hirn rattert. Und dann kommen vorhandene Ressourcen zum Vorschein. Wir haben ja in der letzten Folge 057 von der großen Bedeutung von Ressourcenarbeit und dem bipolaren Modell gesprochen. Hier ist eine weitere Möglichkeit dazu. Denn jetzt wird die Klientin erzählen, was für Fähigkeiten, andere Erfolgserlebnisse ihr schon ein bisschen Perspektive geben. Manchmal erzählen Klienten so viele Ressourcen, dass sie am Ende ihrer Aufzählung direkt die Skalierung nach oben anheben. Dabei unterstützt du sie mit den 2 berühmten Worten „was noch?“ Danach sagen Klienten oft selbst: „Also wenn ich jetzt darüber nachdenke, bin ich eigentlich schon bei 3 oder 4. Das hätte ich nicht gedacht.“

Die zweite Möglichkeit ist am Ende. Wenn du die Klientin fragst, was den Unterschied bezüglich der Klarheit ausmacht zwischen der 2 am Anfang und der 7 am Ende, fasst sie die wichtigsten Punkte für sich nochmal zusamm

4. Nächste Schritte konkretisieren

Hier werden ebenfalls die Unterschiede auf der Skala genutzt. Jetzt allerdings hypothetisch.

Um beim Beispiel von eben zu bleiben. Klarheit und Perspektive (in Bezug auf Frust mit einer Kollegin) bei 7. Jetzt gehst du mit einer Annahme weiter:

Angenommen, deine Klarheit und Perspektive wäre schon auf 7,5 oder 8. Was hast du verändert oder getan, um dorthin zu kommen? Was macht den Unterschied aus? „Ich habe ein klärendes Gespräch mit meinem Chef geführt und mir ein paar Informationen zur Sachlage geholt. Das wäre ein Weg…

5. Zuversicht skalieren

Jetzt könnte sich die Klientin vornehmen, dieses Gespräch zu führen. Und du kannst eine weitere Skalierungsfrage anschließen, indem du die Zuversicht skalieren lässt, dies umzusetzen. Das ist grundsätzlich eine gutes Hilfsmittel, um die Umsetzung von Vorhaben zu unterstützen und noch zu entdecken, was vielleicht noch zu beachten ist dabei.

„Wie zuversichtlich bist du, dass du dieses Gespräch mit deinem Chef führst auf einer Skala von 0 ist überhaupt nicht und 10 ist voll und ganz zuversichtlich?“

Die Klientin nennt eine 7.

„Was ist der 7 alles drin, was macht dich so zuversichtlich?“

Und wieder geht die Klientin zu ihren Ressourcen: „mein fester Wille, mein Chef ist offen und kooperativ, es hat bis jetzt jedes Mal etwas gebracht.“ Usw.

Du kannst auch wieder Unterschiede nutzen, nochmal nachfragen: „Was hat sich verändert, wenn du mit deiner Klarheit und Perspektive auf eine 7,5 oder 8 gekommen bist?“ „Vielleicht noch eine Sitzung zur Gesprächsvorbereitung. Denn ich habe jetzt ein mulmiges Gefühl dabei.“

Du merkst sicher, welch unglaubliche Kraft und Möglichkeiten du durch Einsatz von Skalierungen im Coaching bei deinen Klienten freilegen kannst.

Die zwei Skalen beim EMDR

Für diejenigen, die neu hier im Podcast sind: EMDR bedeutet Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Die wirkungsvollste und sehr gut beforschte Therapiemethode für posttraumatische Belastungsstörungen, Ende der 80-er Jahre von der Psychologin Francine Shapiro entwickelt. Was EMDR ist und wie es abläuft kannst du in den Folgen https://heartify.life/023 und folgende nachhören oder lesen. Gehe einfach auf heartify.life und suche im Blog nach der Kategorie EMDR Coaching. Dann werden dir alle Beiträge dazu angezeigt.

Im EMDR Coaching nutzen wir zwei Skalierungen. Ich erlebe immer wieder, dass das ist nicht nur für Klienten verwirrend ist. Jedoch auch die Ausbildungsteilnehmer brauchen eine Weile, bis sie die Skalen auseinanderhalten und richtig nutzen können.

Hier also die beiden Skalen:

SUD Skalierung

SUD bedeutet Subjetive Units of Disturbance, was am ehesten mit Einheiten für subjektiver Belastung übersetzt werden kann.

Die Skala geht von 0 bis 10, wobei 0 gar keine Belastung und 10 maximale Belastung ist.

Im Rahmen der Bewertung der Ausgangssituation schauen wir uns die Belastung durch die konkrete repräsentative Situation zum Thema des Klienten genauer an. Es geht also nicht allgemein um Belastung, sondern mit welchen Gefühlen genau die Belastung verbunden sind. Denn die können sich im Rahmen der Verarbeitung durchaus ändern.

Ein Beispiel: Eine Klientin spürt am Anfang Belastung durch Wut in Höhe von 7. Am Ende der Sitzung steht die Belastung auf 8. Es ist jedoch Traurigkeit, nicht mehr Wut. Die Wut ist weg. An der Stelle kannst du dann erklären, warum das ein gutes Zeichen ist. Hättest du jedoch vorher nur allgemein Belastung skaliert – würdest du und die Klientin den Unterschied nicht erkennen und vielleicht sogar frustriert sein.

VoC Skalierung

VoC bedeutet Validity of Cognitions, also Stimmigkeit von Gedanken, Überzeugungen. Und zwar von hilfreichen Gedanken bzw. Glaubenssätzen, die in der Sitzung erarbeitet werden oder im Rahmen der Verarbeitung auftauchen.

Diese Skala geht nun von 1 bis7. 1 bedeutet, der hilfreiche Satz ist aktuell überhaupt nicht stimmig und 7 er stimmt jetzt voll und ganz.

Die Betonung liegt hier bei aktuell, jetzt, in diesem Moment. Die Feinheiten dazu, wie du damit dann genau Klienten im EMDR Coaching unterstützt lernen die Teilnehmer in der Ausbildung. Das ist meist ein intensives Übungsfeld für alle Beteiligten. Und sehr spannend auch, wie sich das in der Klientenrolle anfühlt, die wir ja auch in der Ausbildung einnehmen.

Auch wenn die zwei Skalen-Systeme für alle Beteiligten zunächst verwirrend scheinen, helfen sie doch, das „weg von“ von dem „hin zu“ klarer zu unterscheiden.

Zusammenfassung:

Skalierungen im Coaching sind extrem hilfreich und schenken – richtig angewandt – deinen Klienten den Zugang zu ihrem impliziten Wissen.

Das bewirkst du damit bei deinen Klienten. Sie…

  • gelangen besser an ihre Ressourcen
  • finden schneller geeignete Lösungen
  • setzen passgenauer und konsequenter ihre Lösungen um
  • können Veränderungen bewusst nachvollziehen
  • Erfolge feiern

Im EMDR Coaching arbeiten wir mit zwei Skalen. Mit der…

  1. SUD-Skala, die das „Weg von“ skaliert, das belastende Gefühl.
  2. Voc Skala, die die Stimmigkeit eines hilfreichen Glaubenssatzes skaliert, das „Hin zu“.

Konnte ich dich heute animieren, Skalierung im Coaching (wieder) mehr einzusetzen und damit bewusst mehr zu experimentieren?

Hat dir die Folge gefallen? Hast du Hilfreiches für dich gewonnen? Dann freue ich mich, wenn du diesen Beitrag in deinem Netzwerk teilst und mir eine Bewertung auf Itunes schreibst. Itunes macht es dir auf dem Smartphone leichter damit. Du gehst auf den Podcast Coaching Oase Heartify, abonnierst ihn am besten, wenn du es noch nicht getan hast, scrawlst herunter zu „Das beste des Podcasts“, srawlst weiter runter und kommst zu den Bewertungen und darunter wiederum ist endlich der Link, mit dem du mir eine 5 Sterne Bewertung und persönliches Feedback geben kannst. Das unterstützt mich sehr und ich danke dir herzlich dafür!

Ich wünsche dir eine gute Zeit – bis zum nächsten Mal.

Kathrin (Stamm)

About the Author

Mach es DIR leichter anderen zu helfen! Mit diesem Motto hat Kathrin Stamm viele hilfreiche Tipps und Tricks auf Lager, wie du als Coach und Berater mehr Leichtigkeit in dein Leben und das deiner Klienten bringst. Hol dir die Praxistipps direkt aufs Ohr mit ihrem Podcast https://heartify.life/podcast-coachingoase

  • […] am besten zusätzlich Skalierungen ein für Beginn und Ende des Coachings, wie ich es in https://heartify.life/059/ „Skalierungen im Coaching – eine enorme Hilfe“ beschreibe. Dann habt ihr einen wunderbaren […]

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