038 Lösungsfokussierter oder lösungsorientierter Ansatz?

Lösungsfokussierter oder lösungsorientierter Ansatz im Podcast Coaching Oase Heartify Folge 038

Mit dieser Folge starten wir eine neue kleine Reihe über den lösungsfokussierten Ansatz im Coaching und Beratung. Denn dieser ist eine hervorragende Ergänzung zum Coaching mit EMDR, also auch zur EMDR Ausbildung. Er vereinfacht dein klares Vorgehen.

Weg vom Problem – hin zur Lösung. Heute stelle ich dir einen Denkansatz bzw. eine Haltung vor, die unserem Naturell Bewusstsein und Übung abverlangt, bis sie geling. Die tiefgreifender wirkt als du glaubst. Insbesondere die Effizienz dieser Haltung ist verlockend.

Geh also mit auf eine Erforschungsreise zum Experiment mit lösungsfokussierter Haltung.

Inhalt „Lösungsfokussierter oder lösungsorientierter Ansatz“

Wir sprechen darüber

  • Selbsterforschung der Wirkung problemorientierter und lösungsfokussierter Fragen
  • Lösungsfokussierter oder lösungsorientierter Ansatz – 10 Grundprinzipien
  • Geschichte des Lösung-Findens, etwas über die Begründer des lösungsfokussierten Ansatzes Steve deShazer und Insoo Kim Berg

Zum Schluss gibt es eine geniale praktische Forschungsübung für deinen Alltag, die übrigens von Steve deShazer stammt.

Lass dich in dieser Folge inspirieren zu einer klaren und effizienten Beratungshaltung, die dir selbst mehr Energie und Gelassenheit schenkt.

Und ich lade dich herzlich in die geschlossene Facebookgruppe ein, in der wir das Thema gemeinsam vertiefen und weiter diskutieren können: https://www.facebook.com/groups/Heartify.life/

 

Die Shownotes findest du unter dem Audio.

Hier kannst du Folge 038 „Llösungfokussierter oder lösungsorientierter Ansatz“ hören:

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Shownotes zu Folge 038:

Diese beiden Fachbücher sind hervorragende Arbeitsbücher:

Peter de Jong und Insoo Kim Berg, Lösungen (er-)finden – das Werkstattbuch zur lösungsfokussierten Kurzzeittherapie. Auer Verlag.

Günter G. Bamberger, Lösungsorientierte Beratung, Beltz PVU

Weitere Blogbeiträge: lösungsorientierte Beratung

Transkript zu Podcastfolge „Lösungsfokussierter oder lösungsorientierter Ansatz?“

[0:00] Music.

[0:11] Willkommen in der Coaching Oase Heartify.
Ich bin Kathrin, Kathrin Stamm von Heartify.life und zeige dir als Ausbilderin, Coach und Trainerin wie du es dir leichter macht anderen zu helfen.
Schluss mit intuitiven Coaching ohne System und her mit einer soliden Basis und einem erprobten vielfältig anwendbaren System.
Lehn dich zurück, genieß die kleine Auszeit und lerne wie du deine Klienten entspannt, wirksam und nachhaltig begleitest.

[0:50] Hallo und herzlich Willkommen zu folgen 038 mit dem Titel „Weg vom Problem – hin zur Lösung. Der lösungsorientierte nein der lösungsfokussierte Ansatz.“
Dies ist die erste Folge einer kleinen neuen Reihe über den lösungsfokussierten Ansatz in Coaching und Beratung.
Das ist ein so spannendes Thema: Es hat wirklich etwas mit der Grundhaltung eines Coaches und Berater zu tun, die ich persönlich für ganz ganz wesentlich erachte. Und im Grunde genommen kann sich jeder – auch wer nicht Coach oder Berater ist, davon eine Scheibe abschneiden oder einfach mal das Ganze auf sich wirken lassen und überlegen ob das ein oder andere vielleicht auch für dich und dein Leben eine deine Chance beinhaltet. Eine Veränderungs-Möglichkeit, die genial sein könnte. Oder du erkennst dass du davon ohnehin schon ganz viel machst. Dann sage ich natürlich herzlichen Glückwunsch!
Mir ist es ein bisschen so gegangen. Ich war total erstaunt als ich mich dann in den Fortbildungen damit wirklich intensiv befasst habe. Dass ich vieles von klein auf kenne,
einfach deswegen weil meine Mutter so ein Mensch war, die sowas schon mitgebracht hat. Also sie hat diese Haltung, so verkörpert dass ich ganz viel davon schon verinnerlicht hatte. Deswegen kam mir das natürlich sehr entgegen.

[2:26] Und dennoch musste ich mir so Einiges antrainieren und noch aneignen, damit ich es wirklich wirkungsvoll einsetzen konnte.
Ja und wir sprechen heute erstmal über eine Auswahl von Grundannahmen die diesem Lösungsfokussierter Ansatz zugrunde liegen.
Dann auch ein bisschen was zur Geschichte des Lösung Findens sozusagen.
Also da kommen dann die Begründer dieses Ansatzes ein bisschen zu Wort.
Und zum Abschluss gibt es sogar noch eine Praxisübung die du für dich anwenden kannst, we

Und einfach mal zur Einstimmung: Ich möchte Dich einladen dir die eine kleine Reflexion zu können.
Indem du dir überlegst… irgendeine kleine Herausforderung die du hattest heute, gestern oder vorgestern. Muss jetzt nichts Großes sein. Irgendetwas Kleines. Wo du denkst: ach das hätte auch anders sein können. Oder: das würde ich mir ein bisschen anders wünschen.

Hast du etwas?
Gut dann lasse die zwei Fragen fest die ich jetzt dir vorstelle mal auf dich wirken vor dem Hintergrund dieser Herausforderung die du da gewählt hast dieser kleinen.
Die erste Frage: Warum hast du das Problem oder warum ist das so passiert?

[4:01] Zweite Frage: Wer ist schuld daran.

[4:12] Und drittens: Hast du das öfter? Gibt es da noch andere Beispiele mit ähnlichen Problemen?

[4:23] Wie fühlst du dich jetzt, wenn ich hier diese Fragen stelle? Hast du den Eindruck, das hat dir jetzt weitergeholfen?

[4:32] Und jetzt stelle ich dir drei andere Fragen. Die erste:
Du hast es weiterhin auf diese kleine Herausforderung.

Was soll sich verändern?

[4:44] Was soll anders sein? Was wünschst du dir anders?

[4:53] Die zweite: Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften brauchst du, damit diese Veränderung gelingt?

[5:07] Die dritte: gibt es eine ganz andere Situation in einem vielleicht auch ganz anderen Kontext, wo du diese Fähigkeit schon einmal erfolgreich eingesetzt hast?

[5:23] Und spür rein: wie geht’s dir jetzt damit? Merkst du einen kleinen Unterschied?

[5:31] Da hast du jetzt schon kennengelernt die praktische Anwendung von der Problemfragestellung zur Fragestellung, die in Richtung Lösung geht. Also weg vom Problem hin zur Lösung.

Du hast wahrscheinlich schon gemerkt dass das erste Fragen-Set dazu geführt hat, dass du dich immer mehr mit diesem Problem verbindest. Dass dir vielleicht auch noch andere (Probleme) bewusst geworden sind und so weiter und so fort.

[5:58] Und bei dem zweiten (Fragenset): Auch wenn jetzt noch nicht sofort alle Lösungen da waren, ganz klar aber vielleicht hast du gemerkt: Ach da gibt’s ja eine Richtung. Da gibt’s einen Ansatzpunkt. Da gibt’s keine Perspektive. Da ist ein Licht am Ende des Tunnels.

Und das ist einfach das worauf es hingehen soll: an eine Lösung.

Wir werden auf jeden Fall eine ganze Folge den verschiedenen Frageformen widmen, weil die einfach mega spannend sind.

Heute kommen wir da noch nicht dazu beginnen wir mit den Grundannahmen des lösungsfokussierten Ansatzes.
Denn die machen schon ganz viel deutlich. Sie schaffen ganz viel Bewusstsein über eine eigene innere Haltung, die Voraussetzung ist, wenn man damit arbeiten möchte.

[6:47] Und ich hatte ja jetzt gerade den Tag der offenen Tür letzten Sonntag.
Da haben wir natürlich auch über dieses Thema sehr intensiv gesprochen. Interessanterweise waren da auch ein Schulleiter dabei und eine Lehrerin, die wirklich auch davon erzählt haben. Sie haben ja jeden Tag irgendwelche Herausforderungen. Und es ist gar nicht einfach, die Herausforderungen nicht als Probleme zu sehen und in den Problemen herum zu stochern. Sondern wirklich immer wieder mit den Lehrpersonen, den Schülern und den Kollegen auf die Lösungen zu schauen.
Letzten Endes wurde deutlich, dass dieser lösungsfokussierte Ansatz natürlich am Ende sogar ganz viel Zeit spart und Kraft spart. Weil man viel schneller auf den Punkt kommt. viel schneller gute Wege findet und nicht lange in irgendwelchen Konstellationen herumdoktern muss.
Und gleichzeitig haben wir die beiden auch wirklich gesagt dass es echt immer wieder auch herausfordernd ist, diese Haltung zu bewahren. Gerade in Konfliktsituationen.
Also gut. Dann endlich zu den Grundannahmen.

1. Du bist der Experte deines Lebens!

Ein Satz den ich kennengelernt habe, als ich mit diese ganzen Ausbildungen im Bereich Psychotherapie und Coaching begonnen habe.

[8:18] Da gab es eine Kollegin, die diesen Satz immer wieder gerne mit einem wirklich ganz authentischen lebendigen Lächeln im Gesicht gesagt hat.
Und auch erzählt hat wie sie in der Arbeit mit herausfordernden Situationen mit Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen. sogenannten, wie sie und ihre Mitarbeiter da immer wieder sich diese Haltung bewusst machen, weil das ihre Arbeit enorm erleichtert.

[8:48] Also nicht für den anderen das Problem lösen zu wollen, sondern ihnen zuzumuten, dass sie die Lösung selber finden. Weil sie der Experte ihres eigenen Lebens sind.
So wie du der Experte deines Lebens und ich die Expertin meines Lebens bin und meine Lösungen sind nicht eins zu eins übertragbar auf andere.
Und deine Art deine Probleme zu lösen sind nicht eins zu eins zu übertragen auf mich und so weiter und so fort.
Also die Haltung zu haben, dass derjenige, der mir gegenüber ist und mit was auch immer da sitzt, der Experte seines Lebens ist und fähig ist die Lösung selbst zu finden.

[9:35] 2. Grundsatz oder Grundannahme: Du musst das Problem gar nicht kennen, um die Lösung zu finden.

[9:44] Du hast ja schon gemerkt im Eingang: Wenn ich dann die Frage stelle: Warum hast du das? Und wenn ich jetzt noch gefragt hätte: Erklär mir das doch genauer, ich verstehe das noch nicht so richtig.
Dann ist man in diesem Ursache – Wirkungsdenken und möchte die Ursache beseitigen. Das ist letzten Endes dieses mechanistische Weltbild, was uns da antreibt an dieser Stelle.
Dass wir das Ganze als Maschine sehen. Und wenn wir jetzt da den Haken finden, dann machen wir den weg und dann ist das Problem gelöst. So ist es eben leider nicht. Sondern:  Wenn ich mich gar nicht mit dem Problem im Detail aufhalte, sondern mit dem wo ich hin möchte oder wo der Klient hin möchte, wenn wir darauf den Fokus richten, dann ist es viel einfacher die Lösung zu finden als wenn ich die ganze Zeit darum rudere und suche, warum das nicht funktioniert.

3. Und das bringt uns dann auch gleich schon zum dritten Satz: Finde heraus was funktioniert und mach mehr davon.

[10:52] Das heißt zu gucken auf Fähigkeiten und Eigenschaften die hilfreich sind, die in bestimmten Situationen auch schon mal hilfreich gewesen sind. Und da zu gucken: Kann ich das vielleicht auch in dieser neuen Situation einsetzen? Kann ich das für meine neue Lösung,
gebrauchen? Und wie kann ich das bei mir da noch ein bisschen fördern, dass – ja wie kann ich da noch mehr davon machen?
Schon alleine der Fokus auf das was funktioniert ist oftmals eine unheimlich gut Erinnerung. Sich dessen wieder bewusst zu werden und das einzusetzen.

4. Die nächste Grundannahme.
Nimm statt des Verstehens, statt des „Warum“ das neue Handeln in den Blickpunkt.
Also das ist noch mal eine besondere Formulierung in Bezug auf die Tatsache,
dass wir uns einfach zurückhalten sollten als Berater und Coach, das Problem mit dem der Klient kommt wirklich genau zu verstehen.

Ich muss gestehen: Das ist immer wieder eine große Herausforderung. Auch in den Ausbildungen bemerke ich das. Dass sich dann die Kollegen da teilweise so verhaken, weil Sie es unbedingt verstehen wollen.
Und da muss man sich wirklich erst mal dran gewöhnen dass, wir nicht komplett einsteigen können in die Hose des Klienten. Wie Noni Höfer das so schön sagt in der provokativen Therapie.

[12:30] Sondern wir müssen das nicht in Einzelnen alles nachvollziehen, was da gelaufen ist und warum das so war. Das spielt keine Rolle. Sondern wir unterstützen den Klienten darin
sich auf die Lösung zu konzentrieren. Auf das was er tun muss oder sie, um das neue Ziel zu erreichen.
Das ist also wirklich eine ganz andere Herangehensweise. Das heißt mir genügen wirklich nur ein paar Eckdaten und dann richte ich mich schon auf das was anders sein soll.

5. Der nächste Punkt. Wenn du etwas mehrfach versucht hast auf eine bestimmte Art und Weise und es funktioniert nicht, dann mach etwas anderes.
Ich finde das ist auch ein ganz wertvoller Tipp. An der Stelle muss ich mich manchmal auch an die eigene Nase packen. Denn ich bin ein starker Willenstyp z. B. Wenn ich dann was erreichen will, dann probiere ich dann probiere ich ein bisschen anders, und (nochmal) ein bisschen anders. Aber manchmal muss man auch etwas ganz loslassen und etwas komplett Anderes machen. Dafür brauche ich z.B. auch schon mal etwas länger.
Dieser Satz hilft mir selber dabei, mich etwas früher daran zu erinnern, dass ich etwas loslassen darf und mein meine Aufmerksamkeit für komplett woanders hinrichten oder auf einen anderen Weg richten.
Also wenn du etwas mehrfach probiert hast auf eine bestimmte Art und Weise und es hat einfach nicht funktioniert, dann probiere mal was ganz Anderes.

[14:08] Denn oftmals wundern sich die Leute dass sie immer wieder die gleichen Probleme haben, weil sie immer wieder die gleichen Dinge tun. Das ist ja auch schon eine bekannte Tatsache,
Und wenn man das anders haben möchte, muss man einfach was Anderes tun.

[14:23]

6. Damit steht auch eng im Zusammenhang die Annahme oder der Grundsatz: Richte den Fokus auf das, was da ist und nicht auf das, was fehlt.

[14:35] Das ist auch so eine schöne Geschichte. Wenn ich dann so Frage, was anders sein soll.
Und dann kommt erstmal, wie es alles nicht sein soll. Oder welche Eigenschaften brauchst du dazu? Und dann kommt irgendwas. was die Person aber nicht hat. Also da wirklich nachzuhaken und zu gucken: Was ist das, was ich brauche und wovon ich schon etwas habe?

Und nicht etwas herum zu doktern, was sowieso nicht da ist oder wovon ich auch gar nichts habe. Bestes Beispiel.

[15:10] Ich habe keinen Partner und mir fehlt also ein Lebenspartner oder sowas. Und dann richte ich meine ganze Aufmerksamkeit auf diese Leere, auf das was mir fehlt.
Statt dass ich meine Aufmerksamkeit daraufhin richte, was ich gerne hätte. Nämlich einen Partner. Und wie soll der sein und welche Fähigkeiten und Eigenschaften brauche ich? Damit
ich so jemanden finde. Damit das irgendwie dann auch eine tragfähige Verbindung wird und so weiter und so fort. Du merkst schon auch da, einfach nicht auf das Problem, auf das was fehlt eingehen. Oh ich bin einsam und hab dies nicht und hab jedes nicht. Sondern auf das, was da sein soll, was man gerne erreichen möchte und auf die Fähigkeiten die man schon hat, die man dazu braucht, um das Ganze dann zu erreichen.

[16:10]

7. Der den nächsten Satz finde ich auch ganz wichtig, nämlich: Auch in komplexen Situationen ist Veränderung möglich – und zwar in kleinen Schritten.
Das ist also etwas, das man sich immer wieder zu Herzen nehmen kann.
Was ich selber auch fast jede Woche mal wieder irgendwo erlebe wo ich dann bei irgendwas denke: Ach du meine Güte, das ist so viel. Und wenn ich es dann unterteile in kleine Scheibchen, in kleine Einheiten: auf einmal ist es ist es machbar! Dann kann man das in die Struktur bringen, in den Plan. Wenn man Glück hat funktioniert es. Und wenn nicht, dann muss man die Einheiten vielleicht noch kleiner machen und etwas geduldiger mit sich sein.
Also ein gutes Beispiel war für mich z.B. meine Scheidung. Da habe ich wirklich gedacht: Boah was da alles dran hängt! Das überwältigt mich. Und da habe ich auch zu dem Zeitpunkt bei einer Kollegin Coaching in Anspruch genommen. Und da kam dann für mich:
Sie hat auch so Lösungsfokussierter gearbeitet. Und als dann diese Frage kam, in welchem anderen Zusammenhang ich Dinge schon mal gut geregelt habe, da fiel mir ein, dass ich das ja im Konzert und Musikmanagement, dass ich da hervorragend organisieren und Dinge „abhaken“ konnte, die einfach nötig waren, um Ziele zu erreichen.
Und ich sah es auf einmal glasklar vor Augen: den Plan. Dann habe ich mir alles im Kalender eingetragn, wann ich was machen muss und so weiter. Und auf einmal war das durch die vielen kleinen Schritte,

[17:48] die ich dann gesehen habe, die machbar waren war für mich, war der große Berg einfach keinen Schrecken mehr.

8. Dann der nächste Satz für eine hilfreiche Haltung. Den habe ich eigentlich gerade schon vorweggenommen, der gehört irgendwie dazu.
Dabei hilft es zu schauen, wo es im Ansatz oder auch in einem anderen Zusammenhang schon gut funktioniert hat.
Und ja, da habe ich ja gerade dieses Beispiel gebracht: Als ich das übertragen konnte, was ich beruflich erfolgreich schon getan habe. Das konnte ich dann ins Private übertragen und schon ging die Lösung nicht unbedingt einfach, aber sie war überschaubar und machbar.

[18:39] 9. Dann finde ich auch noch einen ganz wichtigen Satz, eine wichtige Grundhaltung: Repariere nichts, was nicht kaputt ist.

Im Sinne von: Doktere nicht bei Leuten rum an irgendwelchen Dingen, wegen der sie gar nicht z.B. gekommen sind. Sie kommen mit einer bestimmten Herausforderung, mit irgendwas, was sie verändert haben wollen. Und solche Fragen wie:
Wer hat Schuld daran? Hattest du das schon öfter und wie war es in deiner Kindheit? Und was war mit deiner Mutter und deinem Vater und so weiter und so fort.
Also wenn man jetzt nicht gerade für EMDR das mal braucht zum Thema Verarbeitung,

[19:23] dann führen die überhaupt nicht weiter. Dann strudelt man sich rein. Dann kommt man auf einmal zu ganz neuen Baustellen und der Person ist damit nicht wirklich geholfen.
Also eine Ausnahme ist wirklich das EMDR aber auch da: Wenn diese Fragen gestellt werden ist mir super wichtig dass nur Stichpunkte gemacht werden. Weil das einfach nur darum geht, diese Netzwerkbereiche zu finden, die isoliert sind und Stress verursachen. Um sie dann verarbeiten zu können. Aber in einem anderen Kontext würde ich solche Fragen nicht stellen wollen.

Deswegen also: Repariere nichts was nicht kaputt ist. Fuhrwerke nicht in Sachen herum, zu denen du keinen Auftrag hast – genau genommen.

10. Ja und der zehnte und letzte Satz oder Grundprinzip.
Das Empowerment, die Selbstermächtigung.
Das heißt zu gucken nach den Fähigkeiten, Stärken und Ressourcen, die da sind.
Selbst die trostloseste Umgebung hat irgendwelche Ressourcen und Fähigkeiten. Selbst jemand der vollkommen am Ende ist und sich mit seinen letzten Kräften da irgendwo hin geschleppt hat zu einem Coaching, der hat ja immerhin geschafft, diesen Termin auszumachen und zu erscheinen. Und das ist ja schon eine Fähigkeit, eine Stärke.
Wie hast du das geschafft dich überhaupt aufzurappeln und dich hierher zu setzen? Und zack ist man schon wieder dabei zu untersuchen, welche hilfreichen Elemente da gerade schon aktiv sind.

[21:06] Ja du merkst schon ich bin da recht begeisterungsfähig, was diese Haltung betrifft. Denn im Grunde genommen ist das eine neugierige Grundhaltung, die das bei dir bewirkt. Wenn diese Sätze, wenn du die wirklich verinnerlicht hast. Weil du einfach neugierig bist, was wird der Klient oder der Mensch, den du berätst, was wird er für Lösungen finden? Du weißt sie nicht. Sondern du kannst die Fragen stellen entsprechend, die Lösungsfokussierten Fragen. Und dann entwickelt er Lösungen, auf die du gar nicht gekommen wärst. Das ist einfach immer wieder fantastisch wie ich finde.

Ja dann wollte ich dir noch ein bisschen was erzählen über die Geschichte des Lösungen Findens nämlich. Etwas von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg. Das sind die beiden Begründer dieser, ja Methode, wenn man das so nennen möchte. Die dieses Vorgehen entwickelt haben bzw. so richtig schön kompakt gestaltet und in die Öffentlichkeit gebracht haben. Die beiden sind leider schon seit über 10 Jahren tot.
Er war interessanterweise klassische Musiker und Jazzer und Sozialarbeiter. Und sie Physiotherapeuten.
In der Arbeit mit Familien haben Sie dann diesen Ansatz entwickelt.

[22:37] Ganz interessant finde ich die Geschichte: Steve de Shazer erzählt, wie ihm das zum ersten Mal aufgefallen ist, wie wichtig die Lösungen sind.
Das muss 1982 gewesen sein. Also ich glaube, die 80er Jahre waren sehr interessant: was da alles so entstanden ist. Jedenfalls im Bereich Psychotherapie und Coaching.
Ja er hat also mit Kollegen mit einer Familie zu tun gehabt. Die haben sie irgendwie betreut.
Und er stellte dann die üblichen Frage: Was führt sie zu uns? Und da fingen sie an, sich gegenseitig ins Wort zu fallen und durcheinander zu reden. Und am Ende gab es insgesamt 27 Probleme und keines dieser Probleme war so richtig klar.
Und dachte Steve de Shazer: Hm, was mache ich denn jetzt?
Da wurde ihm zum ersten Mal so richtig deutlich, dass es überhaupt nicht hilft über Probleme sich auszulassen. Und er gab ihnen die Aufgabe mit nach Hause, dass sie in den nächsten Tagen gemeinsam darauf achten sollen, was in ihrem Leben geschieht, von dem Sie wünschen dass es weiterhin geschieht.
Und als die Familie nach zwei Wochen wieder kam, haben sie erzählt: Ja, jetzt wäre eigentlich alles so wunderbar. Alles so gut. Ihre Probleme hätten sich gelöst. Das hat natürlich Steve de Shazer ziemlich überrascht aber auch bestärkt darin,

[24:17] dass es um den Fokus geht. Also wirklich diese Aufmerksamkeit von dem Problem wegzunehmen und auf die Lösung zu gucken. Auf das was funktioniert und was hilfreich ist.

Und an der Stelle sind ja jetzt auch mal noch bei dem Wort „lösungsfokussiert“. Es ist fast noch weiter verbreitet in Deutschland, dass es dass man sagt ein lösungsorientierter Ansatz.
Aber es ist ein kleiner Unterschied. Eine Fokussierung ist etwas Anderes wie eine Orientierung. Orientierung heißt einfach, dass man in eine bestimmte Richtung sich
ausrichtet, hinschaut. Aber es ist etwas weicher und etwas offener. Fokus ist schon spitzer und schärfer und das war’s auch was Steve de Shazer wirklich wichtig war. Deswegen heißt das Ganze auch auf Englisch – er hatte sein Institut in Milwaukee – Solution Focused Brief Therapy. Lösungsfokussierter Kurzzeittherapie wäre die eigentliche Übersetzung. Wie immer gibt es dann halt viele Leute, die das ein bisschen softer machen gerne und dann heißt es eben lösungsorientiert.
Ja und das ganze Vorgehen ist ein Bestandteil der systemischen Therapie. Wo es also wirklich darum geht, dass Menschen die miteinander entweder arbeiten oder als Familie oder in sonstigen Kontexten

[25:54] oder Zusammenhängen sind, eben in Systemen, dass die sich auch
gegenseitig beeinflussen. Und dass sie gemeinsam Lösungen finden wollen, die für alle tragfähig sind. Wo alle sich entfalten können wobei.

[26:14] Ja was denn alles noch dazu gehört, darüber werde ich in den nächsten Folgen noch sprechen. Für heute zum Abschluss noch der Praxistipp:
Wenn du magst, dann übernimmt die Aufgabe, die Steve de Shazer dieser Familie gestellt hat.
Und verbinde sie mit einem Bereich, wo du dir vielleicht noch eine kleine positive Veränderung wünschst. Das kann sein am Arbeitsplatz. Das kann sein mit deinem Partner, mit deiner Familie, mit den Kindern. Es kann aber auch einfach sein mit dir selber.

[26:54] Nimm dir mal in den nächsten Tagen diesen Fokus, gönne dir den Fokus auf all das, was da bisher geschieht was gut ist. Von dem du möchtest dass es weiter geschieht.

[27:10] Ich werde diese Aufgabe für mich hier auch übernehmen und ich finde das nämlich immer wieder gut, sich darüber bewusst zu werden.
Auch wenn alles schon gut ist. Das fördert einfach die Dankbarkeit, die Zufriedenheit, die Lebensfreude. Und es gibt ein sofort mehr Energie wie ich finde.

[27:29] Zum Abschluss wiederhole ich jetzt einfach drei Grundannahmen oder Grundprinzipien aus diesem lösungsfokussierten Ansatz für dich. Dann kannst du das Ganze nochmal nachklingen lassen.
Du bist der Experte deines Lebens.

Finde heraus was funktioniert und mach mehr davon.

Auch in komplexen Situationen ist Veränderung möglich und zwar in kleinen Schritten, in vielen kleinen Schritten.

[28:03] Und frei nach dem Motto: Es gibt nichts Gutes, es sei denn man tut es.

Nimm die kleine Übungsaufgabe mit in Deinen Alltag.
Schau, was in einem bestimmten Bereich, wo du dir ein bisschen positive Veränderung vielleicht wünschst oder wo es dir einfach besonders wichtig ist: Schau was da schon geschieht, was gut ist, was für dich wunderbar funktioniert. Von dem du wünschst, dass es weiterhin geschieht. Und beobachte einfach, was durch diese Wahrnehmung sich bei dir
verändert oder bewusst wird.

Die Shownotes zu dieser Sendung, in der ich auch noch hilfreiche Links zum Thema verlinke z.B. eine kleine Literaturempfehlung, die findest du (s.0.)

Und du kannst ja schon mal Sonntag den 13. Mai 2018 vormerken.
Da wird es einen ganztägigen Praxisworkshop geben und zwar online.
Zum Thema Lösungsfokussierter Ansatz üben und trainieren.
Weiter Informationen folgen in Kürze. Wenn du da Interesse hast, blockiere dir einfach den Termin schon mal im Kalender, weil wir uns dann online treffen und miteinander arbeiten können.
Ich wünsche dir eine wunderbare Woche! Nächste Woche geht’s weiter hier mit diesem Thema Lösungsfokussierter in die Tiefe.

[29:38] Und bis dahin eine gute Zeit tschüss.

[29:40] Music.

 

Herzliche Grüße

Kathrin (Stamm)

 

About the Author

Mach es DIR leichter anderen zu helfen! Mit diesem Motto hat Kathrin Stamm viele hilfreiche Tipps und Tricks auf Lager, wie du als Coach und Berater mehr Leichtigkeit in dein Leben und das deiner Klienten bringst. Hol dir die Praxistipps direkt aufs Ohr mit ihrem Podcast https://heartify.life/podcast-coachingoase

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