Folge 020 Interview mit Claudia Henrichs: Miteinander teilen, gemeinsam wachsen, voneinander profitieren

Podcast Folge 020 – Interview mit Claudia Henrichs: Miteinander teilen, gemeinsam wachsen, voneinander profitieren.

Heute darf ich Claudia Henrichs als Interviewgast begrüßen. Sie ist selbstständige Beraterin für Persönlichkeitsentfaltung von Mitarbeitern, Führungskräften und Geschäftsführern von ambulanten Pflegediensten. Einer Berufsgruppe, die täglich mit Druck und Belastung umgehen muss.

Inhalt: Claudia Henrichs: Miteinander teilen, gemeinsam wachsen, voneinander profitieren.

Du erfährst von Claudia Henrichs:

  • was die größten Herausforderungen für Mitarbeiter in der ambulanten Pflege sind.
  • Die 4 Erfolgskriterien für Teams, mit denen trotz Herausforderungen wirtschaftlich erfolgreicher und menschlich erfüllter gearbeitet werden kann.
  • Was in weniger erfolgreichen Teams im Gegensatz dazu anders ist
  • Zwei Tipps um herausfordernde Phasen gut zu überstehen.

Zusätzlich bekommst du eine kurze praktische Übung an die Hand für spürbar mehr Gleichgewicht, Konzentration und Leistungsfähigkeit im Berufsalltag. Claudia Henrichs ergänzt die Übung mit wunderbaren Anwendungsvorschlägen (nicht nur) für Führungskräfte.

Inspirierende Buch- und Videotipps runden das Gespräch ab.

Ich lade dich herzlich in die geschlossene Facebookgruppe ein, in der wir das Thema gemeinsam vertiefen und weiter diskutieren können: https://www.facebook.com/groups/Heartify.life/

 

Die Shownotes findest du unter dem Audio.

Hier kannst du Folge 020 hören:

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Shownotes zu Folge 020:

Mehr Info zu Claudia Henrichs, ihrem Podcast und viele wertvolle Fachinformationen findest du auf https://chc-team.com/  Dort findest du auch die Links zu ihrem Podcast, Youtube-Kanal und Facebook. Claudia bietet auf Facebook Mitgliedschaft in ihrer geschlossene Gruppe “Pflege ambulang“ an für Experten zum Austausch und gegenseitiger Inspiration.

Die Buchtipps von Claudia Henrichs:

  1. Frederic Laloux: Reinventing Organisations – Ein Leitfaden zum Gestalten sinnstiftender Zusammenarbeit. Verlag: Fahlen Franz GmbH
  2. Frederic Laloux: Reinventing Organisations visuell – Ein illustrierter Leitfaden zum Gestalten sinnstiftender Zusammenarbeit. Verlag: Fahlen Franz GmbH
  3. Das Hörbuch-Plus „Reinventing Organisations“ von Frederic Laloux beim Startup thedive.com zum „Pay what you want“ – Preis herunterladen: https://www.thedive.com/hoerbuchplus/

Das Video mit der Zusammenfassung der Idee von Reinventing Organisations von Frederic Laloux für den Dalai Lama, mit ihm auf der Bühne auf der Konferenz „Power and Care“ von Mind&Life Europe

Das Youtube-Video über das HeartMath-Training bei der niederländischen Polizei. Hier berichten Polizisten, welche Veränderungen das regelmäßige Training mit den einfachen Übungen bewirkt hat. Eine davon kannst du direkt im Podcast mitmachen.

Der Download-Link für die HeartMath-Übung „Herzfokussiertes Atmen“ https://heartify.life/download-zu-podcast-folge-020/

Ich lade dich herzlich in die geschlossene Facebookgruppe ein, in der wir das Thema gemeinsam vertiefen und weiter diskutieren können: https://www.facebook.com/groups/Heartify.life/

Trage dich für den kostenfreien Mini Emailkurs zum 4 Heartify® Schritte Arbeitsblatt ein zur praktischen Übung und Umsetzung. Die 4 Schritte sind besonders gut geeignet um deine Selbstwahrnehmung und dein Selbst-Bewusstsein zu schärfen. Eine Voraussetzung um frühzeitig zu erkennen, worauf du zusteuerst, ob es etwas zu verändern gibt und auch was.

Das Wichtigste aus dem Interview mit Claudia Henrichs – Miteinander teilen, gemeinsam wachsen, voneinander profitieren.

Viele Zitate sind original, dennoch wird Einiges gekürzt und zusammengefasst wiedergegeben.

Claudia Henrichs: Ich bin so fest davon überzeugt, dass wir alle unseren Kompetenzjuwel in uns haben. Alle Fähigkeiten, alle Ressourcen, alle Kraft, alle Stärke, die wir brauchen um unser Arbeitsleben und unser Privatleben gut führen zu können. (…) Juwelen haben Facetten und ich unterstütze Menschen gerne dabei ihren Kompetenzjuwel anzuschauen und sich daran zu freuen, zu würdigen was sie schon können und was schon da ist. Und vielleicht die ein oder andere Facette anzuhauchen und mit einem glatten Tuch glänzend zu reiben, so dass auch die anderen Fähigkeiten und Stärken zum Tragen, nach Außen kommen. Konkret heißt das: ich bin die Expertin für wirkungsvolle Kommunikation im ambulanten Pflegedienst, selbstständig seit 2002, seit 2014 auf Mitarbeiter in ambulanten Pflegediensten spezialisiert. Bei der wirkungsvollen Kommunikation geht es um ganz viele Facetten. Nämlich Gespräche mit:

  • Pflegekunden
  • Angehörigen
  • Im Team
  • Führungskräften
  • Kassen und Kooperationspartnern.

Ich bin so davon überzeugt, dass es darauf ankommt, welche Haltung wir haben, welche Einstellung wir haben. Und zwar zu uns, zu der Situation, zu den anderen Menschen. Das macht sich Platz und Raum in unserer Sprache. Das ist meine Leidenschaft.

(…)

Kathrin:  (…) Aus dem Kontakt mit den vielen Menschen, die in der ambulanten Pflege sehr engagiert arbeiten. Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen? Ist es die Kommunikation, die dahinter steckt? Wieso hast du dich darauf spezialisiert?

Claudia Henrichs: (…) Es gibt zum einen die Herausforderungen, die die Pflegekräfte vor Ort mit den Pflegebedürftigen haben. Und es gibt die Herausforderungen, die die Führungskräfte haben, Teamleitung, stellvertretende Teamleitung. Da gibt es Überschneidungen und Unterschiede.

Die Herausforderungen der Pflegekräfte vor Ort.

Die Aufgabe, den Beruf, den die Menschen durchführen. Das ist so vielfältig und herausfordernd. Das kann erfüllend sein, aber es ist auch so verdammt anstrengend. Respekt für alle, die sich für diesen Beruf entscheiden. Es gibt eine große Herausforderung in dem Dilemma: Zum einen für den Pflegekunden da sein zu wollen, Pflegebedürftige unterstützen zu wollen. Und auf der anderen Seite immer zu spüren: Ich habe wenig Zeit. (…) Es steht immer der Zeitdruck dahinter. Wo kommt der Zeitdruck her?

Es gibt immer Personalmangel.

Viele Pflegedienste können jetzt schon keine Pflegebedürftigen mehr annehmen, weil keine Kapazität da ist. Eine große Herausforderung ist dann die Urlaubsplanung und die Krankheitsfälle. Ich meine gelesen zu haben, es gibt keine größere Krankheitsquote als in der Pflege. Was für die meisten eine tolle Urlaubszeit ist, ist für die ambulante Pflege ein echter Ritt.

Das Unterstützersyndrom

Eine Riesenherausforderung für die Pflegekräfte ist auch, das Unterstützersyndrom zu haben für andere da sein zu wollen. In ganz vielen Fällen, sich selbst nicht wahrzunehmen, sich selbst nicht ernst zu nehmen, sich nicht um sich kümmern. Das helfen, helfen, helfen, helfen und sich selber aus dem Blick zu verlieren. Selber für sich nicht viel Gutes zu tun.

Das sind jetzt nur drei Herausforderungen – ich könnte ganz viele mehr aufzählen.

Kommunikation ist auch eine große Herausforderung.

Weil in den meisten Pflegediensten ist Kommunikation ein Thema aus den 50-er Jahren. Dienstbesprechungen oder Teambesprechungen finden maximal 1x im Monat statt mit denen, die gerade da sind. Es darf nur 2 Stunden dauern. Das ist eine Informationsveranstaltung. In der Regel will die Leitung ja, dass danach die Information irgendwie verarbeitet wird. Das gelingt in den seltensten Fällen.

Dann gibt es immer noch diese Übergabebücher, wo jeder in seiner eigenen Handschrift reinschreibt. Gleichzeitig ist der Zeitdruck total groß, weil für die Organisationsplanung und Vorbereitung der Tour eher weniger Zeit zur Verfügung steht. Dann muss ich noch das Übergabebuch studieren. Allein das ist schon fehleranfällig. Weil ich ja gar nicht weiß, was meint jetzt meine Kollegin damit, was sie da aufgeschrieben hat. Kann ich das überhaupt lesen? Kommunikation von der Leitung in das Team wird immer noch häufig über Zettel in Fächern gestaltet.

Dann ist natürlich die Frage: Kommt jeder zur Pflegestation, leert jeder sein Fach aus, liest jeder die Information, versteht jeder die Information? Das ist ein ganz großes Handycap im 21. Jahrhundert aus meiner Sicht. Das betrifft jetzt nur die Kommunikation über das Fachliche.

Kommunikation übereinander, miteinander, wo wollen wir hin, was haben wir erlebt, wo ärgere ich mich auch über dich, wo ziehen wir an einem Stang – also das, was ein Team ausmacht. Da wird Supervision bestellt. Und man glaubt, wenn ich so ein paar Sessions mache ist das alles prima. Aus meiner Sicht ist das in vielen Fällen nichts Nachhaltiges.

Die Herausforderungen für die Leitungskräfte: sie sind quasi diese Sandwichmanager.

Sie sind auf der einen Seite verantwortlich für die Wirtschaftlichkeit. Das bedeutet: Es sind hohe Qualitätskriterien da. Es braucht Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Technik, Fuhrpark etc. Personal ist der größte Kostenfaktor im Pflegedienst. Das bedeutet: die Touren müssen auch wirtschaftlich sein. Natürlich muss ein Pflegedienst, um existieren zu können, auch wirtschaftlich agieren.

Auf der anderen Seite haben auch die Leitungskräfte ein absolutes Dilemma. Weil jeden Tag muss die Tour anders geplant werden. Dann kommt ein Krankenschein, dann ist bei den Pflegebedürftigen oder Angehörigen irgendetwas. Da muss die Tour wieder verändert werden. Dann gibt es natürlich auch Gespräche mit Angehörigen. Sie tanzen permanent auf dem Vulkan und sind immer dabei Feuerwehr zu spielen und den Tag irgendwie bewältigen zu können. Und auch hier stelle ich oft fest: der Wunsch ist total da, sich mehr Zeit für die Pflegebedürftigen, für die Angehörigen nehmen zu können, sich mehr Zeit für das Team nehmen zu können. Dazu kommt, dass total viel Zeit dafür drauf geht durch den „bürokratischen Kram“. Das ist nicht nur die Pflegedokumentation. Wenn wir überlegen, mit wie vielen Kassen müssen sie Abrechnungen machen. Und jede Kasse hat ein anderes Procedere zu demselben Themenbereich. Das ist kaum schaffbar. Dass da die Burnout-Quote hoch ist. Dass da viele sagen: Ich will diese Leitungsfunktion überhaupt gar nicht übernehmen ist total verständlich.

Kommunikation mit dem Team – was in erfolgreichen Teams anders läuft:

Wenn ich zwei Stunden als Leitungskraft habe, um dem Team das wichtigste zu sagen, dann mache ich eine Informationsveranstaltung daraus. Und mache mir nicht noch einen Kopf daraus: Wie kann ich meine Informationsbesprechung so gestalten, dass wir da wirklich gemeinsam in die Zukunft gucken.

Kathrin: Was machen aus deiner Sicht Mitarbeiter anders in Firmen, die trotz dieser Herausforderungen  engagiert und mit Freude arbeiten?

Claudia Henrichs: Ein wesentliches Kriterium ist die Vertrauenskultur. (Das erste Erfolgskriterium) Da wo Leitung Vertrauen in das Team gibt. Wo Leitung sagt: Du als die vor Ort, du weißt aus deiner Verantwortung heraus: Was braucht es da? Welche Informationen brauche ich wieder zurück von dir? Diese Information verwende ich, um erneut das Gespräch zu führen, was auch Auswirkungen hat auf den Vertrag. Vertrauen darauf zu haben, dass die Zeit, die genutzt wird auch die Zeit ist, die für die Pflegebedürftigen eingesetzt wird.

Das Gegenteil ist da, wo ganz viel kontrolliert wird. Wo auch Fehlerkultur ein Thema ist. Wo den Menschen eher unterstellt wird, sie nutzen irgendetwas aus. Sie verbringen ihre Zeit mit irgendwelchen anderen Dingen, wo das sehr minutengenau nachgehalten wird. (…) Je stärker der Kontrolldruck ist, desto stärker sucht man sich Ausweichmöglichkeiten. Und wenn es dann ist, dass der gelbe Krankenschein kommt. (…)

Neben der Vertrauenskultur ist noch ein Kriterium:

Das Vermögen lösungsorientiert und in die Zukunft zu schauen.

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Natürlich gibt es Probleme auf den verschiedensten Ebenen. Aber da eher zu gucken. Ok, wir haben diesen Konflikt, dieses Problem. Was können wir in Zukunft tun, damit wir dieses Problem in Zukunft besser und zwar besser gemeinsam hinbekommen?

Nicht im Jammern verhaftet bleiben, im Fehler suchen, nicht im Schuldigen suchen bleiben. Also die Vergangenheit aufrollen und gucken: Wo ist was schiefgelaufen?  Den „Looser des Monats“ suchen. Es gibt auch eine Studie darüber: Eine erschreckende Prozentzahl von Fehlern, die bemerkt werden, werden gar nicht kommuniziert in der Pflege. Weil die Menschen Angst vor Konsequenzen habe. (…) Oder auch, wenn ich als Kollegin einen Fehler bei meiner Kollegin sehe, sage ich das nicht, weil ich im Team nicht die „Petze sein“ will.

Also das zweite Kriterium ist lösungsorientiert zu gucken. Wenn ein wir ein Problem haben, wenn ein Fehler passiert ist. Was können wir gemeinsam tun, damit das in Zukunft nicht mehr passiert.

Dazu gehört auch aus meiner Sicht in die Zukunft zu gucken. Also nicht die Vergangenheit aufrollen zu wollen. Daraus kann ich lernen, klar. Aber dann zu gucken in der Zukunft.

Das dritte Erfolgskriterium ist aus meiner Sicht die Mitarbeitenden beteiligen. Es gibt eine Aussage, dass auch Führungssystem in der Pflege das hierarchische Führungssystem aus den 50-er Jahren ist. Also top-down. Es wird Neues erdacht und das ist es entschieden und dann soll es ausgerollt werden. Nach dem Motto: friß oder stirb. Es gibt jetzt was Neues und das gehört sich jetzt umgesetzt.

Die Pflegedienste, bei denen ich merke, dass es gut läuft – und das sind genauso große wie auch kleine Pflegedienste – holen sich die Informationen aus dem Team ein. Gerade, wenn es um gesetzliche Veränderungen geht, wenn es um Strukturveränderungen geht. Das wird nicht einfach bestimmt und das ist jetzt so. Sondern im Vorfeld wird gesagt: Das steht an, welche gesetzlichen Veränderungen werden auf uns zukommen. Welche Ideen habt ihr, wie wir damit gut umgehen können? Beteiligung von Mitarbeitern ist das dritte Erfolgsrezept.

Miteinander teilen, gemeinsam wachsen, voneinander profitieren. (Motto von Claudia Henrichs)

Das vierte Erfolgsrezept, was aus meiner Sicht immer ein Dauerbrenner ist: Wertschätzung, Wertschätzung, Wertschätzung. Und ich meine nicht damit das einfache Loben: Das hast du gut gemacht, du bist doch meine Beste. Sondern wirklich wertschätzen die Leistung, die ich gesehen habe, konkret, individuell auf die einzelne Person abgestimmt.

Am Beispiel der Wertschätzungskarten, die Claudia Henrichs entwickelt hat erklärt sie:

„Du bist wertvoll.“ Das ist als Karte auch erst mal eher ein Lob. Es braucht schon eine Erklärung, warum ich den Menschen als wertvoll erachte. Das passiert dann auch in meinen Workshops. Und ich merke in den Teams, wo Wertschätzung nicht gelebt wird, finden sie diese Karte lächerlich. (…) Bei Teams, wo ich merke, da ist eine Vertrauenskultur, die sehen aneinander auch, was gut ist und was an Kompetenzen da ist. Da machen sie sich einen Spaß draus. Es ist total schön zu sehen, wie sie sich auch darüber freuen, wenn auch mehr Karten ausgeteilt wird.

Kathrin: Welches Rezept hast für dieses „von bottom up“ – wie Menschen von „unten“ etwas zur Veränderung beitragen können? Denn ich glaube, das betrifft viele Menschen und viele meiner Zuhörer.

Claudia Henrichs: Was ich ganz wichtig finde ist: sich auf sich selbst zu konzentrieren und zu gucken, was will ich selbst bewirken.

Also raus aus  dieser Nummer: ich bin das arme Opfer und über mich wird bestimmt. (Claudia Henrichs)

Auch wenn das in vielen Fällen so ist. Eher mal gucken: Wenn ich eine Situation belastend finde, was kann ich selber dazu tun, dass es sich verändert? Das kennen wir aus der Resilienz-Forschung: je klarer ich mich als Opfer der Umstände empfinde, desto schlechter geht es mir. Und dann zu gucken, was an der Situation, wenn sie denn da ist, ist auch gut. Es ist nie alles schlecht. Und was kann ich selber tun: kleine einzelne Schritte. Eine Idee einbringen. Zu überlegen,  wenn ich jetzt Rahmenbedingungen nicht verändern kann. Tut es mir besser permanent und in vielen Kreisen über diese Situation zu jammern? (…) Oder gucke ich selber in meinem Umkreis: Wen kenne ich denn, mit dem ich gerne zusammenarbeite? Dann spreche ich ihn an, vielleicht hat er ja Lust mit mir in unserem Team zu arbeiten. Das sind alles so kleine Dinge.

Aber den ersten Schritt zu tun und zu gucken:

  • Wo kann ich selbst wirksam werden?
  • Was kann ich dazu beitragen, dass die Situation sich verändert? (…)
  • Was brauche ich denn, damit ich mich mehr in meiner Kraft fühle?

Da baue ich jetzt sehr stark auf dich. Da gibt es viele Ideen, die du anbietest: Wie kann ich mich selbst in die Kraft bringen?

Kathrin: (…) Das sind ja zwei Arten von Kommunikation. Die eine ist die Kommunikation nach außen, um für die Bedürfnisse einzutreten, für das, was man braucht. Was ich festgestellt habe, was sehr sehr hilfreich ist, ist eine Kommunikation mit mir selber. Was kann ich bevor ich nach draußen gehe, so einen allerersten Schritt schon für mich tun, damit ich mit der Situation schon mal ein bisschen klar komme. Und dann auch mit Klarheit und Kraft mein Bedürfnis nach außen zu tragen.

(…)

Claudia Henrichs: Ich finde es total wichtig: Weil Selbstwirksamkeit zuerst bei mir anfängt: Mich selbst zu würdigen. Mich selbst, was ich kann auch wertzuschätzen. Mit allen Facetten, die ich mitbringe. Wie ich aussehe, was ich kann – mich zu lieben ist die Basis! (…) Und das nicht mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein. Die Gefahr ist meiner Meinung nach sowieso total gering, dass Menschen in der Pflege ein übersteigertes Selbstwertgefühl haben. Eher das Gegenteil ist der Fall. (…)

Ich stelle auch manchmal die Frage in einem Workshop: Worauf bin ich stolz? Manche sind total irritiert. Ich würde das feiern: Worauf bin ich stolz? Was gefällt mir an mir? Was ist meine Stärke? Natürlich kann ich nicht alles. Ich mache auch Fehler. Aber viel mehr in den Vordergrund zu heben: Was ist das Wertvolle an mir? Und das zu würdigen! (…) Wenn jemand ein Kompliment, eine Wertschätzung bekommt, nicht darauf zu antworten: Ach, das ist doch nicht so wichtig oder das ist doch ganz normal. Sondern zu antworten: hei, toll, danke! Das ist für mich auch ein Ausdruck nach außen, dass ich mit meinem Selbstwertgefühl gut unterwegs bin. (…)

2 persönliche Tipps von Claudia Henrichs, um in der Kraft zu bleiben trotz großem beruflichen „Programm“:

  1. Wenn ich in Workshops war oder mit Menschen zusammen gewesen bin, brauche ich danach meine Ruhephase. Ich habe mir angewöhnt mit dem Zug zu fahren und da buche ich mir immer „Ruhelounge“. Ich will nicht reden, nicht telefonieren. Ich brauche die Zeit für mich. Ich brauche auch nach einer Veranstaltung die Zeit in meinem Büro. Das gönne ich mir zum Auftanken. Ich kann nicht permanent auf Sendung sein. (…)
  2. Von der Zukunft her denken: Ich stelle mir vor, wie ich wirksam sein kann. Wie ist die positive Welt? Wenn Menschen von kleinen Impulsen profitieren können ohne sich von zu Hause wegbewegen müssen. Das ist mein ideales Vorstellungsbild. Es gibt so viel zu teilen. Gerade die Welt im 21. Jahrhundert bietet so viele Möglichkeiten. Man muss sich nicht mehr von A nach B bewegen um voneinander zu profitieren. Mein Motto ist ja: „Miteinander teilen, gemeinsam wachsen, voneinander profitieren.“ Das kann man und das geht nachhaltiger. Deswegen auch mein Onlinebusiness. Deshalb per Video, per Audio, per Podcast zur Verfügung zu stehen. Das ist das strahlende Bild: Menschen, die profitieren, die wachsen, die Impulse aufnehmen.

Persönlicher Tipp und praktische Übung von Kathrin:

Kathrin:

Den Begriff Meditation ganz weit fassen:

Auch stupide Routinearbeiten können entspannen. Sogar putzen kann entspannen. Wenn ich es gleichzeitig als innere Reinigungsarbeit verstehe, fühle ich mich danach auch innerlich gereinigt oder die Atmosphäre, in der man arbeitet.

Meditation muss nicht immer still sitzen sein und nichts denken – wenn man sich zur Ruhe kommen wünscht. Es kann auch Meditation in Bewegung sein. Z. B. einfach schöne Musik hören und tänzerische Bewegungen dazu machen. Oder Yoga, Tai Chi usw.

Auch wenn man irgendwo sitzt an einem schönen Platz und bewusst atmet und genießt, auch das ist Meditation. (Kathrin Stamm)

Übung des HeartMath- Instituts (Kalifornien) für mehr Resilienz, also Widerstandsfähigkeit.

Das HeartMath – Institut hat im Rahmen der jahrzehntelangen Forschung zum Thema Stress und Widerstandsfähigkeit herausgefunden, dass das Herz eine ganz zentrale Rolle spielt. Deshalb gibt es eine ganz einfache Übung, in der man sich auf das Herz fokussiert und bewusst atmet. Mit Biofeedbackgerät kann man sogar sehen, wie durch diese Übung, vor allen Dingen, wenn man sie öfter macht, wie:

  • Sich der Pulsschlag etwas beruhigt
  • Das Nervensystem und der Körper wird „ausblanciert“, kommt in ein natürliches Gleichgewicht.

Die Übung empfiehlt sich jeden Tag 2-3 Minuten zu üben, dann setzt ein Trainingseffekt ein und auch im Akutfall kann der Körper sehr schnell aus der Stressreaktion aussteigen und wieder ins Gleichgewicht kommen.

Bei der niederländischen Polizei wurden mittlerweile über 30.000 Polizisten trainiert damit. Weil die unter Druck und unter großer Herausforderung im Alltag stehen, wo sie schnell Entscheidungen treffen müssen. Nach 4 Wochen Training zeigte sich: in der Stresssituation tritt nicht mehr der Tunnelblick-Effekt auf, sondern die Wahrnehmung erweitert sich, die Intuition verbessert sich. Auch nach der Situation können sie mit der Übung viel schneller in den ausbalancierten Normalzustand zurückzukommen.

Während sonst (im untrainierten Zustand) nach Anspannung Puls und Blutdruck noch bis zu 6 Stunden erhöht ist.

Man kann durch das Trainieren und tägliche Anwenden dieser Übung ganz anders arbeiten, Entscheidungen treffen, macht weniger Fehler.

Um in extremen Situationen die Übung anzuwenden, sollte sie vorher bereits eingeübt sein.

Die Übung kannst du dir in den Shownotes oben herunterladen einschließlich der Praxistipps von Claudia dazu.

 

Vielen Dank, liebe Claudia, für deine wertvollen Tipps und Informationen. Die Buch- und Hörbuchtipps sind eine geniale Ergänzung. Und wir wünschen dir wachsenden Erfolg für deinen bereichernden Podcast und Onlinekurse, wo du in kleinen gut verdaulichen Häppchen dein Fachwissen (nicht nur) für Experten in der ambulanten Pflege weiter reichst. Auch ich genieße immer wieder deine Inspirationen.

In der nächsten Podcastfolge fasse ich die wichtigsten Punkte aus den Interviews zum Thema Umgang mit Herausforderungen in Hinblick auf Burnout zusammen. Dazu gibt es noch einige Erläuterungen und Tipps für Betroffene oder deren Angehörige.

Ich verabschiede mich mit den Worten aus dem Interview mit Claudia Henrichs – Miteinander teilen, gemeinsam wachsen, voneinander profitieren. Wenn du diese Worte im Herzen bewegst, stellen sich Veränderungen im Miteinander ein 😉

Herzliche Grüße

Kathrin (Stamm)

About the Author

Mach es DIR leichter anderen zu helfen! Mit diesem Motto hat Kathrin Stamm viele hilfreiche Tipps und Tricks auf Lager, wie du als Coach und Berater mehr Leichtigkeit in dein Leben und das deiner Klienten bringst. Hol dir die Praxistipps direkt aufs Ohr mit ihrem Podcast https://heartify.life/podcast-coachingoase

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